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im ersten Falle zwei, im andern vier Erniedrigungen. Eine Me-lodie der Tonreihe D mit zwei Be’en vorgezeichnet, oder der Ton-reihe C mit vier Be’en vorgezeichnet, ist also für eine versetztephrygische zu achten. — Späterhin werden wir freilich noch er-fahren müssen, dass selbst die richtige Beurtheilung der Vorzeich-nung uns nicht aller Zweifel über die Tonart enthebt; wir könnenuns dann damit beruhigen , dass diese Unsicherheit nicht in uns,sondern in der Sache liegt, und dass die Alten selbst in zahlrei-chen Fällen ungewiss und uneinig waren, zu welcher Tonart dieseoder jene Melodie zu zählen sei.
So sehen wir nun eine Reihe verschiedner Tonarten vor uns;jede derselben kann fremde Töne in ihren Melodien und Harmonienaufnehmen, jede kann auch mittels der fremden Töne in mehr alseiner Tonreihe dargestellt werden. Wenn wir bisher auch nur dieäusserlichen Abweichungen der verschiednen Tonarten angemerkthaben, so ist doch klar, dass dieselben ihnen auch einen verschied-nen Sinn und Karakter einprägen müssen, den wir später zu er-fassen suchen werden.
F. Ausweichung in andre Tonarten.
Um das Bild des alten Tonartensyslems zu vollenden, ist nochzuletzt zu erwähnen, dass es eben sowohl, wie unser System,das mächtige Mittel der Ausweichung aus einer Tonart in dieandre, der Verknüpfung verschiedner Tonarten in Einem Tonstücke,besitzt. Es folgt auch dabei, eben wie das unsrige, dem ver-wandtschaftlichen Zuge, und weicht in der Regel zunächst in dienächstverwandten Töne aus. Allein die INatur der alten Tonartenbringt hier erhebliche Abweichungen von unserm System und einenicht so ausgedehnte, aber karakteristisch - mannigfaltigere Modula-tion hervor.
Wir kennen im Ganzen zweierlei Wege der ausweichendenModulation. Entweder gehen wir auf dem Wege des Quinten-zirkels aus einem Durton in den andern, auf dem Wege der Pa-ralleltöne aus einem Moll - in einen andern Durton und umgekehrt.Oder wir verwandeln auf derselben Tonika Dur in Moll undMoll in Dur.
Auch die Alten modulirten entweder auf dem Weg’ ihrerQuintenfolge— und noch in andern Fortschreitungen; aber sie fan-den dann stets verschiedne Tonarten. Oder sie bildeten durchTonversetzung auf derselben Tonika eine andre Tonart, wichenalso aus, ohne die Tonika zu verlassen; aber auch hier botsich ihnen eine mannigfaltigere Wahl, als uns mit unserm Durund Moll.