Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
176
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Einzelne Töne können also nicht das bestimmte Zeicheneiner Ton art sein. Folglich können sie uns auch nicht als Mit-tel dienen, eine neue Tonart fiir uns sicher festzustellen, uns indieselbe bestimmt überzuführen. Wir bedürfen dazu vielmehr einesMehreru, einer Harmonie.

Welches sind aber die Harmonien, die als sichre Zeichen desUebergangs dienen können? Die, welche am sichersten ihre Ton-art anzeigen. Der grosse und kleine Dreiklang vermag dies nicht,weil jeder grosse oder kleine Dreiklang in mehrern Tonarten zu lin-den ist, c-e-g z. B. in Cdur, Gdur, .Fdur, Emoll, .Emoll, a-c-ein ^rooll, Cmoll, Cdur, Cdur, Cdur.

Wohl aber wissen wir hereits (S. 108) vom DJominant-Akkorde, dass jeder nur in einer einzigen, in seiner Ton-art möglich ist, das heisst in der Tonart, auf deren Dominanteer sleht. Tritt also in unsrer Modulation ein fremder Dominant-Akkord, z. B. in Cdur der Akkord

e - gis - h - d

auf: so ist es unmöglich, dass wir uns noch in Cdur, dass wirunsüberhaupt in irgend einer andern Tonart, als in A belinden. Dennin C, in G und D, so wie in allen mit Been vorgezeichnelen Ton-arten giébt es kein gis, in Cdur und allen folgenden Durlonarteugiebt es kein d, auch in allen Molltonarten wird irgend ein Tondes Akkordes (z. B. in /ftnoll gis, in EVsmoll a ) fehlen.

Der Dominant-Akkord ist das bestimmte Zeichen für seine Ton-art und deren Eintritt. Aber er ist kein Zeichen lïir das Tonge-schlecht, denn er ist in Dur und Moll (S. 152) gleich. Derobige Dominant-Akkord sagt uns bestimmt, dass wir nicht mehr inCdur, sondern in A sind. Aber er lassl unentschieden, ob AAmïoder ^moll folgen wird. Dies entscheidet sich ersl spater, inder Regel durch den folgenden lonischen Dreiklang; heisst derselbea-cis-e, so sind wir in ^fdur, heisst er a-c-e, so sind wir nach^moll gekominen.

Hiermit haben wir im Dominanlakkord ein beslimmles Modu-lationsmittel erkannt. Er ist gleicbwohl nicht das einzige ; es werdensich noch andre gleich bestimmte, bestimmtere, weniger bestimmtelinden, denn da im menschlichen Geist und Gemüth nicht Allesbeslimmt ist und sich sogleich bestimmt offenbart, so muss esauch für die unbestimmten Momente gleich unbestimmte Ausdrückegeben. Ja, wir werden in der Reihe der Mod.ulationsmittel auchsolche linden (Durdreiklange, einzelne Töne) die wir oben als un-zulanglich abgelehnt haben. Sie mussten zuerst abgelehnt werden,weil Anfangs die grösste Klarheit und Bestimmtheit Gebot ist;spater, nachdem diese gewonnen sind und uns sichergestellt haben,