- 143 -
stimme drangen; wir hatten bisher diesen Uebelstand nur durcheinen andern beseitigen können : wenn wir die bestimmten und ent-schieden wirkenden Richtungen des Basses geopfert hatten. Nunzu der neuen Behandlung. Wie ist sie entstanden? wie recht-fertigt sie sich?
Vor Allem vernimmt Jeder die Klarheit der Stimm-Auseinan-dersetzung; anch die Ebenmassigkeit der Entfernungen fallt in dieAugen. Nur am Schlusse des Vordersatzes liegt der Bass zehn,und im zweiten Akkorde des siebenten Taktes elf Stufen weit vomTenor; aber es ist jedesmal nur ein nachschlagender Ton, dein diehöhere Oktave unmittelbar vorhergegangen ist, im zweiten Fallsogar zu demselben Akkorde. — Wir wollen noch die Rube undEinfachheit in den Fortschreitungen jeder Stimme bemerken; nurder Bass thut einige Oktavschritte zu kraftigerm Schlusse. Wieaber haben sich diese Akkorde gestaltet?
Der erste zeigt nichts als eine Versetzung der Mittelstimmen ausA, dem Vorsatz entsprecbend, in weiter Harmonielage zu schrei-ben. Zu dem zweiten Akkorde thut der Bass den mildesten —nachsten Schritt, dem Alt liegt f nahe, und so wird nicht derohnehin bedenkliche Quarlsext-, sondern der Terzquart-Akkord er-grifleu; der dritte Akkord ist die nolhwendige Auflösuug des zwei-ten. Somit hat aber nnser Bass (und der Alt ebenfalls) absichts-los dasselbe Motiv erhalten, was der Diskant enthalt, nur in derUmkehrung.
Der erste Akkord des zweiten Taktes batte auch ein Quint-sext-Akkord werden können, und dies wiirde dem vorangehendenTerzquart-Akkord entsprechender gewesen sein. Man hat aber diesenachste Konsequenz aufgegeben, weil die überhaufte Anwendungdes sanften Dominant-Akkordes in weichen Lagen den Satz vollendsverweichlicht hatte, und die Altmelodie e, f, e, J ,j e endlich gar zukleinlich geworden ware. Denn eher ertriigl man eine Tonwieder-holung (die als aufgelöster Haltetou wirkt) wie im Tenor der bei-den ersten Takte, als eine so kleinliche, nicht aus der Stellerückende Bewegung.
Zum drillen Takte scbreitet der Tenor , wie sonst der Bass,in Grundtönen von der Dominante zur Tonika. Milder ware seinGesang geworden, wenn er nochmals g genommen batte und daimnach h und e gegangen ware. Aber eben um aus dem oft gehör-ten g und der Weiche des Ganzen herauszutreten, ist der festereSchritt gethan. In dieser Hinsicht hatten wir sogar*besser gethan,wenn wir auch den Bass kraftiger — G, c, g, c — geführt hatten.
Es lag uns aber daran, recht viel Umkehrungen als Beispielezu geben.