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Denn die Tonkunst hat so unendlich viele Stimmungen und Vor-stellungen zur Ansprache zu bringen, dass sie für die Mannigfaltig-keil ihrer Aufgaben eben so mannigfaltiger Mittel bedarf. lm All-gemeinen aber, — von besondern und seltnen Aufgaben abgesehn,— ist es natürlich, dass wir bei jeder Miltheilung, also auch beider musikalischen, ruhiger beginnen, und aus dieser Ruhe uns zugrösserm, eindringlicherm Eifer ei'heben, ebensowohl vom Interessean der uns beschaftigenden Sache oder Empfindung, als von demVerlangen gereizt, mit unsrer Mittheilung zu wirken, durchzudrin-gen. Endlich muss für unsern Eifer oder für unsre Kraft ein höch-ster Punkt erreicht sein. Hier also schliessen wir, — das waredie Satzform; oder gehn allmahlig zur Ruhe zurück, vollbringenden entgegengesetzten Weg, — das ist eben die Periode mit stei-gendem Vorder- und fallendem Nachsatz.
Nun muss es aber auch Tongebilde geben können, die einesAbschlusses, wie Satze und Perioden haben, entbehren, z. B. jedesBruchstück der bisherigen Bildungen
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ohne die schliessende Tonika oder selbst die in No. 2 aufgewiesneMelodie, die wenigstens in rhythmischer Beziehung unbestimmt unddarum unbefriedigend schliessen. Ein solches Tongebilde nennenwir Gang*).
Rückblick.
Im Bisherigen haben wir die ersten Begriffe von Kompositionerfassl und in Tonen verwirklicht. Es waren
1. die Tonfolge in ihren verschiednen Richtungen undSchrittarten;
2. die erste Grundlage aller Tonfolge, namlich die diatoni-sche Tonleiter, und zwar die Durtonleiter;
3. die Unterscheidung der Ruhe- und Bewegungsmomentein der Tonleiter, namlich der Tonika einerseits, und derübrigen Töne andrerseits;
4. die rhythmische Anordnung, durch deren Zutritt dieblosse Tonfolge zur Melodie erhoben wurde; hiermit tratzugleich
5. bestimmte und mannigfache Geltung der Töne, Taktein-
*) Sclion aus der Begriffbestimmung folgt, dass der Gang für sich alleinnicht befriedigend, keine selbstandig genügende Gestallung ist, wie Satz undPeriode. Diese können für sicb allein ein Kunstwerk sein, der Gang nicht;erst im zweiten Theile werden wir seine künstlerische Anwendbarkeit — alsBestandtheil grö’sserer Kompositionen, in denen er die verschiednen Satze undPerioden verbindet und verschmilzt — kennen lernen.