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Über Religion.
Der Entwurf der Unzeitgemässen Betrachtung „Über Religion“(S. 393 f.) ist höchst wahrscheinlich gegçn Ende 1875, gleich-zeitig mit den letzten Arbeiten an „Wir Philologen“ nieder-geschrieben. Unter den „Plänen“ vom Herbst 1875 wird die„Religion“ als eine der zunächst auszuführenden „Unzeitgemässen“hinter „Richard Wagner in Bayreuth“ und „Wir Philologen“ ge-nannt. Es finden sich frühere Ansätze zu dieser Betrachtung.Der Aphorismus: „Die christliche Religion als ethische Demo-kratie“ (S. 435) von 1869 ist hier anzuziehen. Im Frühjahr
1872 zeichnet Nietzsche als „Aufgabe“ auf: „Kritik desChristenthums. Reinigung des Willens durch die Grösse derIllusion. Erklärung des Ethischen. Wie kann der Wille gut werden?Weil er getäuscht werden kann.“ Hier klingen die Gedankenaus „Homer als Wettkämpfer“ an (Band IX 196 ff.). Die Ideenunter 11 der Disposition berühren sich mit der „Schluss-betrachtung“ zu Dühring’s „Werth des Lebens“ (S. 388 fr.).
Richard Wagner in Bayreuth.
Im Januar 1873 hätte Nietzsche gern etwas literarischzur Förderung der Bayreuther Sache unternommen, aber erwusste nicht wie, da „alles was er projectirte, so verletzendund aufregend“ gerieth. Hatte man ihm doch schon die „Ge-burt der Tragödie“, dies „schwärmerisch-gemüthliche“ Buch so„übel genommen“. Die „unzeitgemässen“ Pläne: „LiterarischeMusiker, wie die Anhänger des Genius die Wirkungen desselbentodtmachen“ und „die Gegner Wagner’s“ gehören hierher. ImHerbst 1874 zieht er beide zusammen in dem Titel: „RichardWagner’s Freunde und Feinde“. Als die Bayreuther Pläne zuscheitern schienen, befiel ihn eine tiefe Melancholie, von der ersich nur durch die „gedruckten Verwünschungen“ der „Unzeit-gemässen“ entladen konnte. Trotz dieser stossweisen Erleichterungenwuchs seine Desperation, und Mitte Februar 1874 schreibt er: