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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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15- Gegen die lyrische Poesie bei den Deutschen.

(Herbst 1875.)

Da lese ich, dass gar Mörike der grösste deutscheLyriker sein soll! Ist es nicht ein Verbrechen, dummzu sein, wenn man hier also Goethe nicht als den grösstenempfindet oder empfinden will? Aber was muss danur in den Köpfen spuken, welcher Begriff von Lyrik! Ichsah mir darauf diesen Mörike wieder an und fand ihn,mit Ausnahme von vier bis fünf Sachen in der deutschenVolkslied-Manier, ganz schwach und undichterisch. Vorallem fehlt es ganz an Klarheit der Anschauung. Und wasdie Leute an ihm musikalisch nennen, ist auch nicht vielund zeigt, wie wenig die Leute von der Musik wissen,die mehr ist als so ein süsslich-weichliches Schwimm-schwimm und Kling-kling! Gedanken nun hat er garnicht: und ich halte nur noch Dichter aus, die unteranderm auch Gedanken haben, wie Pindar und Leo-pardi. Aber was kann auf die Dauer einem dieseKnaben-Unbestimmtheit des Gefühls sein, wie sie imdeutschen Volkslied sich ausdrückt! Da lobe ich mirselbst noch eher Horaz, ob der schon recht bestimmtist und die Wörtchen und Gedänkchen wie Mosaik setzt.

16. Die Rhythmik der Griechen.

(1871.)

Wenn die Erfinder der Oper glaubten, im Recitativden Usus der Griechen nachzuahmen, so war dies eineidyllische Täuschung. Die griechische Musik ist darin dieidealste, dass sie auf W ortbetonung, überhaupt auf dassorgfältige Übereinstimmen der kleinsten Willensregungs-spitzen im Worte mit den Arsen gar keine Rücksicht