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Es giebt eine Kunst, sich die Dinge nur durch Worteund Namen, die man ihnen beilegt, fernzuhalten: einFremdwort macht uns oft das fremd, was wir sonst rechtgut aus der Nähe kennen. Sage ich Weisheit und Liebezur Weisheit, so empfinde ich gewiss etwas Heimischeres,Wirksameres, als wenn ich Philosophie sage: aber wiegesagt, es ist mitunter eben die Kunst, sich die Dingenicht zu nah kommen zu lassen. Liegt doch in denheimischen Worten oft so viel Beschämendes! Denn werwürde sich nicht schämen, sich als Weisen oder auch nurals werdenden Weisen zu bezeichnen! Aber als einenPhilosophen? Das will jedermann so leicht über die Zunge:etwa so leicht, als jeder den Titel Doctor trägt, ohne je-mals an die so anmaassliche Confession, die in ihm liegt,Lehrer zu sein, zu denken. Nehmen wir also an, dassdas Fremdwort Philosoph von der Scham und Bescheiden-heit ein gegeben ist: oder wäre es wahr, dass vielleichtgar keine Liebe zur Weisheit da ist, und die fremdländischeBezeichnung, etwa wie bei dem Worte „Doctor“ nur denMangel an Inhalt, die Leere des Begriffs verhüllen soll?Es ist mitunter ausserordentlich schwer, das Vorhanden-sein einer Sache nachzuweisen: so verquickt, übersetzt,versteckt, so diluirt und abgeschwächt ist sie, währenddie Namen beharrlich sind und Verführer obendrein. Istdas, was wir jetzt Philosophie nennen, wirklich Liebe zurWeisheit? Und giebt es jetzt überhaupt wahreFreunde der Weisheit? Setzen wir ungescheut Liebezur Weisheit an Stelle des Wortes Philosophie, es wirdschon herauskommen, ob sie sich decken.