auch einmal dem Bereich der Kunst zu wenden, um hierErnst und Würde zu verlangen. Er nimmt die Kunst sostreng und ernst wie möglich: so hofft er erst ihre er-heiternde Wirkung zu erleben. Bei uns steht es rechtverkehrt und unnatürlich; wir machen den Menschen, dieuns durch Kunst erheitern wollen, die grössten Schwierig-keiten, so dass wir von ihnen moralische Genialität undCharaktergrösse fordern. Weil den begabtesten Künstlernihre Bildung so schwer gemacht wird, und sie alle Kraftauf den Kampf verschwenden müssen, sind wir Nicht-künstler umgekehrt wieder sehr lax in den moralischenAnsprüchen an uns geworden: die Bequemlichkeit herrschtin den Grundsätzen und Anschauungen des Lebens. Sodas Leben lässig nehmend, verlieren wir das rechte Be-dürfniss der Kunst. Wenn das Leben, wie das athenische,Pflicht, Aufforderung, Unternehmung, Mühsal fortwährendim Schoosse trägt, so weiss man auch die Kunst, dasFest und überhaupt die Bildung zu ehren und zu be-gehren: damit sie erheitert. Und deshalb ist die mora-lische Schw r äche der Deutschen vornehmlich die Ursachedavon, dass sie keine Cultur haben. Zwar: sie arbeitenausserordentlich, alles ist in Hast, der vererbte Fleisszeigt sich fast als Naturkraft. Worin offenbart sich ihremoralische Schwäche!
Überall Symptome eines Absterbens der Bildung,einer völligen Ausrottung. Hast, abfluthende Gewässerdes Religiösen, die nationalen Kämpfe, die zersplitterndeund auf lösende Wissenschaft, die verächtliche Geld- undGenusswirthschaft der gebildeten Stände, ihr Mangel anLiebe und Grossartigkeit. Dass die gelehrten Ständedurchaus in dieser Bewegung darin sind, ist mir immer