Ödipus.
Reden des letzten Philosophen mit sich selbst.
Ein Fragment aus der Geschichte der Nachwelt.
(Frühjahr 1873.)
Den letzten Philosophen nenne ich mich, denn ichbin der letzte Mensch,. Niemand redet mit mir als ichselbst, und meine Stimme kommt wie die eines Sterben-den zu mir. Mit dir, geliebte Stimme, mit dir, dem letztenErinnerungshauch alles Menschenglücks, lass mich nureine Stunde noch verkehren, durch dich täusche ich mirdie Einsamkeit hinweg und lüge mich in die Vielheit unddie Liebe hinein, denn mein Herz sträubt sich zu glauben,dass die Liebe todt sei, es erträgt den Schauder dereinsamsten Einsamkeit nicht und zwingt mich zu reden,als ob ich Zwei wäre.
Höre ich dich, meine Stimme? Du flüsterst, indemdu fluchst? Und doch sollte dein Fluch die Eingeweidedieser Welt zerbersten machen! Aber sie lebt noch undschaut mich nur noch glänzender und kälter mit ihrenmitleidslosen Sternen an, sie lebt, so dumm und blind wieje vorher und nur einer stirbt, der Mensch.
Und doch! Ich höre dich noch, geliebte Stimme!Es stirbt noch einer ausser mir, dem letzten Menschen,in diesem Weltall: der letzte Seufzer, dein Seufzer stirbtmit mir, Wehe! Wehe! geseufzt um mich, der Wehe-menschen letzten, Ödipus.