Druckschrift 
10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
Seite
200
Einzelbild herunterladen
 

200

3 -

Im Philosophen setzen sich Thätigkeiten fort, durchMetapher. Das Streben nach einheitlichem Beherrschen.Jedes Ding strebt ins Unermessliche, der Individual-charakter in der Natur ist selten fest, sondern immerweiter greifend. Ob. langsam oder schnell, ist einehöchst menschliche Frage. Wenn man nach der Seitedes unendlich Kleinen hinsieht, ist jede Entwicklungimmer eine unendlich schnelle.

4 -

Kampf im Philosophen.

Sein universaler Trieb zwingt ihn zum schlechtenDenken, das ungeheure Pathos der Wahrheit, am Weit-blick seines Standpunktes erzeugt, zwingt ihn zur Mit-theilung, und diese wieder zur Logik.

Auf der einen Seite erzeugt sich eine optimistischeMetaphysik der Logik allmählich alles vergiftendund belügend. Die Logik, als Alleinherrscherin, führtzur Lüge: denn sie ist nicht die Alleinherrscherin.

Das andre Wahrheitsgefühl stammt aus der Liebe,Beweis der Kraft. Das Aussprechen der beseligendenWahrheit aus Liebe: bezieht sich auf Erkenntnisse desEinzelnen, die er nicht mittheilen muss, aber deren über-quellende Beselig'ung ihn zwingt.

5 -

Der Philosoph ist entweder seiner Cultur entsprungenoder ihr feindlich. Er ist beschaulich wie der bildendeKünstler, mitempfindend wie der Religiöse, causal wieder Mann der Wissenschaft: er sucht alle Töne der Weltin sich nachklingen zu lassen und diesen Gesammt-