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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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litätsempfmdungscheint ihm mit der ersten Empfindunggegeben zu sein.

Der Mensch kennt die Welt in dem Grade, als ersich kennt, das heisst: ihre Tiefe entschleiert sich ihm indem Grade, als er über sich und seine Complicirtheiterstaunt.

14.

Auch die kantische Erkenntnistheorie hat der Menschsofort zu einer Glorification des Menschen benutzt: dieWelt hat nur in ihm Realität. Sie wird wie ein Ball inden Köpfen der Menschen hin und hergeworfen. InWahrheit heisst es doch nur: man denke, dass ein Kunst-werk besteht und ein dummer Mensch, es zu betrachten.Freilich existirt es als Gehirnphänomen für jenen Dummennur, soweit er selbst noch Künstler ist und die Formenmitbringt. Er könnte kühn behaupten: ausser meinemGehirn hat es gar keine Realität.

Die Formen des Intellects sind aus der Materie ent-standen, sehr allmählich. Es ist an sich wahrscheinlich,dass sie streng der Wahrheit adäquat sind. Woher sollteso ein Apparat, der etwas Neues erfindet, gekommensein ?

T 5-

Der Satz ist festzustellen: wir leben nur durch Illu-sionen unser Bewusstsein streift die Oberfläche. Vieles istvor unsern Blicken verborgen. Es ist auch nie zu fürchten,dass der Mensch sich ganz erkennt, dass er in jedemAugenblicke alle die Gesetze der Hebelkräfte, der Mecha-nik, alle die Formeln der Baukunst, der Chemie, die zuseinem Leben nöthig sind, durchschaue. Wohl aber istmöglich, dass das Schema alles erkannt werde. Dasändert für unser Leben fast nichts. Zudem sind es allesnur Formeln für absolut unerkennbare Kräfte.