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! In mythischen Zeiten ist die Lüge erlaubt, wo sieals angenehm gilt: die Schönheit und Anmuth der Lüge,vorausgesetzt dass sie nicht schadet. So erfindet derPriester Mythen seiner Götter: sie rechtfertigt ihre Er-habenheit. Es ist ausserordentlich schwer, das mythischeGefühl der freien Lüge wieder sich lebendig zu machen.Die grossen griechischen Philosophen leben noch ganzin dieser Berechtigung zur Lüge. Wo man nichts Wahreswissen kann, ist die Lüge erlaubt.
Das Wahrheitsstreben ist ein unendlich langsamerG Erwerb der Menschheit. Unser historisches Gefühl etwasganz Neues in der Welt. Es wäre möglich, dass es dieKunst ganz unterdrückte.
Das Aussprechen der Wahrheit um jeden Preis istsokratisch.
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Wenn es auf den Werth der Erkenntniss ankommt,anderseits ein schöner Wahn, wenn nur an ihn geglaubtwird, ganz den gleichen Werth wie eine Erkenntniss hat,so sieht man, dass das Leben Illusionen braucht, dasheisst : für Wahrheiten gehaltene Unwahrheiten. Es brauchtden Glauben an die Wahrheit, aber es genügt dann dieIllusion, das heisst: die „Wahrheiten“ beweisen sich durchihre Wirkungen, nicht durch logische Beweise, Beweiseder Kraft. Das Wahre und das Wirkende gilt für iden-tisch, man beugt sich der Gewalt auch hier. — Wiekommt es dann, dass ein logisches Wahrheitsbeweisenüberhaupt stattfand? Im Kampf von „Wahrheit“ und„Wahrheit“ suchen sie die Allianzen der Reflexion.Alles wirkliche Wahrheitsstreben ist in die Welt