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Soweit das Individuum sich, gegenüber andern In-dividuen, erhalten will, benutzt es in einem natürlichenZustand der Dinge den Intellect zumeist nur zur Ver-stellung: weil aber der Mensch aus Noth und Lange-weile gesellschaftlich und heerdenweise existiren will,braucht er einen Friedensschluss und trachtet darnach,dass wenigstens das allergröbste bellum omnium con-tra omnes aus seiner Welt verschwinde. Dieser Friedens-schluss bringt etwas mit sich, was wie der erste Schrittzur Erlangung jenes räthselhaften Wahrheitstriebes aus-sieht. Jetzt wird nämlich das fixirt, was von nun an„Wahrheit“ sein soll, das heisst: es wird eine gleichmässiggültige und verbindliche Bezeichnung der Dinge erfundenund die Gesetzgebung der Sprache giebt auch die erstenGesetze der Wahrheit: denn es entsteht hier zum erstenMale der Contrast von Wahrheit und Lüge. Der Lügnergebraucht die gültigen Bezeichnungen, die Worte, umdas Unwirkliche als wirklich erscheinen zu machen, ersagt zum Beispiel: „ich bin reich“, während für seinenZustand gerade „arm“ die richtige Bezeichnung wäre.Er missbraucht die festen Conventionen durch beliebigeVertauschungen oder gar Umkehrungen der Namen.Wenn er dies in eigennütziger und übrigens Schadenbringender Weise thut, so wird ihm die Gesellschaftnicht mehr trauen und ihn dadurch von sich ausschliessen.Die Menschen fliehen dabei das Betrogenwerden nichtso sehr, als das Beschädigtwerden durch Betrug: siehassen, auch auf dieser Stufe, im Grunde nicht dieTäuschung, sondern die schlimmen, feindseligen Folgengewisser Gattungen von Täuschungen. In einem ähn-lichen beschränkten Sinne will der Mensch auch nur dieWahrheit: er begehrt die angenehmen Leben erhaltendenFolgen der Wahrheit, gegen die reine folgenlose Er-