Gedanken von dem Streit als dem Vater der Dinge undder Harmonie, die die entgegengesetzten Eigenschaftenverbindet: Parmenides nannte dieselbe Macht Aphrodite.Sie symbolisirte das Verhältniss der Entstehung jedesDings in der Octave. Die beiden feindlichen Elemente,aus denen die Zahl entsteht, zerlegten sie in Gerade undUngerade. Diese Begriffe identificirten sie mit bereitseingebürgerten philosophischen Terminis, das Gerade dasUnbegrenzte nennend: dies ist der grösste Sprung, densie machen: nur weil die Ungeraden eine begrenzteReihe von Zahlen entstehen lassen, die Quadratzahlen.Sie schlagen damit eine Brücke zu Anaximander, der hierzum letzten Male auftaucht. Das Begrenzende aber iden-tificiren sie mit dem heraklitischen Feuer: dessen Aufgabejetzt ist, das Unbestimmte in lauter bestimmte Zahlen-verhältnisse aufzulösen: es ist wesentlich eine rechnendeKraft. Wenn sie den Ausdruck Logos von Heraklit ge-nommen hätten, so hätten sie gerade unter Logos fro-fiortio verstanden: nämlich Proportionen schaffend, wienêçuç, Grenzen setzend. Der Grundgedanke ist: diegänzlich qualitätenlos gedachte Materie wird nurdurch Zahlenverhältnisse diese und jene bestimmteQualität. So wurde Anaximander’s Problem beantwortet.Das Werden erschien als ein Rechnen. Dies erinnertan den Spruch des Leibniz, die Musik sei exercitiumarithmeticae occultum nescientis se numerare animi. Dieshätten die Pythagoreer wohl auch von der Welt sagenkönnen: freilich nicht, was eigentlich rechne.
Druckschrift
10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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