47
positive Eigenschaft. Schon aus dieser Methode ergiebtsich eine trotzende, gegen die Einflüsterungen der Sinneverschlossene Befähigung zur abstract-logischen Procedur.Das Schwere scheint sich ja recht eindringlich den Sinnenals positive Qualität darzubieten; das hielt Parmenidesnicht ab, es zu einer Negation zu stempeln. Ebensobezeichnete er die Erde im Gegensatz zum Feuer, dasKalte im Gegensatz zum Warmen, das Dichte im Gegen-satz zum Dünnen, das Weibliche im Gegensatz zumMännlichen, das Leidende im Gegensatz zum Thätigen,nur als Negationen: so dass vor seinem Blicke sich unsreempirische AVelt in zwei getrennte Sphären schied, indie der positiven Eigenschaften — mit einem lichten,feurigen, warmen, leichten, dünnen, thätigen, männlichenCharakter — und in die der negativen Eigenschaften.Letztere drücken eigentlich nur den Mangel, die Ab-wesenheit der anderen, positiven, aus; er beschrieb alsodie Sphäre, in der die positiven Eigenschaften fehlen, alsdunkel, erdig, kalt, schwer, dicht, und überhaupt alsweiblich - passiven Charakters. Statt der Ausdrücke„positiv“ und „negativ“ gebrauchte er den festen Terminus„seiend“ und „nicht-seiend“ und. war damit zu dem Lehr-satz gekommen, dass, im Widerspruch mit Anaximander,diese unsre Welt selbst etwas Seiendes enthalte: freilichauch etwas Nichtseiendes. Das Seiende soll man nichtausserhalb der Welt und gleichsam über unseremHorizonte suchen; sondern vor uns, und überall, in jedemWerden, ist etwas Seiendes enthalten und in Thätigkeit.
Dabei blieb für ihn aber die Aufgabe übrig, diegenauere Antwort auf die Frage zu geben: „was ist dasWerden?“ — und hier war der Moment, wo er springenmusste, um nicht zu fallen, obwohl vielleicht für solcheNaturen, wie die des Parmenides, selbst jedes Springen