in seinen Gebärden und Lebensgewohnheiten zeigte. Erlebte, wie er schrieb; er sprach so feierlich, als er sichkleidete; er erhob die Hand und setzte den Fuss, als obdieses Dasein eine Tragödie sei, in der er, als Held, mit-zuspielen geboren sei. In alledem war er das grosseVorbild des Empedokles. Seine Mitbürger erwählten ihn,eine auswandernde Kolonie anzuführen — vielleichtfreuten sie sich, ihn zugleich ehren und loswerden zukönnen. Auch sein Gedanke zog aus und gründeteKolonien: in Ephesus und in Elea wurde man ihn nichtlos, und wenn man sich nicht entschliessen konnte, ander Stelle zu bleiben, wo er stand, so wusste man doch,dass man dorthin von ihm geführt worden sei, von woman jetzt, ohne ihn, weiterzuschreiten sich anschickte.
Thaies zeigt das Bedürfniss, das Reich der Vielheitzu simplificiren und zu einer blossen Entfaltung oderVerkleidung der einen allein vorhandenen Qualität, desWassers, herabzusetzen. Über ihn geht Anaximandermit zwei Schritten hinaus. Er fragt sich einmal: „Wie-
ist doch, wenn es überhaupt eine ewige Einheit giebt,jene Vielheit möglich?“ und entnimmt die Antwort ausdem widerspruchsvollen, sich selbst aufzehrenden undverneinenden Charakter dieser Vielheit. Die Existenz der-selben wird ihm zu einem moralischen Phänomen, sieist nicht gerechtfertigt, sondern büsst sich fortwährenddurch den Untergang ab. Aber dann fällt ihm die Frageein: „Warum ist denn nicht schon längst alles Gewordnezu Grunde gegangen, da doch bereits eine ganze Ewig-keit von Zeit vorüber ist? Woher der immer erneuteStrom des Werdens?“ Er weiss sich nur durch mystischeMöglichkeiten vor dieser Frage zu retten: das ewigeWerden kann seinen Ursprung nur im ewigen Sein haben,die Bedingungen zu dem Abfall von jenem Sein zu einem