Druckschrift 
10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

Alles moderne Philosophiren ist politisch und polizeilich,durch Regierungen Kirchen Akademien Sitten ModenFeigheiten der Menschen auf den gelehrten Anscheinbeschränkt: es bleibt beim Seufzerwenn doch oderbei der Erkenntnisses war einmal. Die Philosophieist ohne Recht, deshalb müsste sie der moderne Mensch,wenn er überhaupt nur muthig und gewissenhaft wäre,verwerfen und sie etwa mit ähnlichen Worten verbannen,mit denen Plato die Tragödiendichter aus seinem Staateverwies. Freilich bliebe ihr eine Entgegnung übrig, wiesie auch jenen Tragödiendichtern, gegen Plato, übrigblieb. Sie könnte etwa, wenn man sie einmal zum Redenzwänge, sagen:Armseliges Volk! Ist es meine Schuld,wenn ich unter dir wie eine Wahrsagerin im Landeherumstreiche und mich verstecken und verstellen muss,als ob ich die Sünderin wäre und ihr meine Richter?Seht nur meine Schwester, die Kunst! Es geht ihr wiemir, wir sind unter Barbaren verschlagen und wissennicht mehr uns zu retten. Hier fehlt uns, es ist wahr,jedes gute Recht: aber die Richter, vor denen wir Rechtfinden, richten auch über euch und werden euch sagen:Plabt erst eine Cultur, dann sollt ihr auch erfahren, wasdie Philosophie will und kann.