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fehlt, deßhalb erfordern die Gesangswerke Bach's eine General-baßstimme, Palestrina's lassen eine solche nicht zu. Man macheden Versuch einer Palestrina'schen Partitur eine Bezifferung beizu-sügen, so wird man bald erkennen, mit welchen Schwierigkeiten diesverknüpft ist.
Es war Palestrina vergönnt die Triumphe, die seine Kompo-sitionen in der musikalischen Welt feierten, zu erleben; hierdurchangespornt, trachtete er darnach, immer Größeres zu leisten. Rastlosthätig, von der Natur mit den reichsten Geistesgaben ausgestattet,verwendete er diese zur Verherrlichung des Kirchendienstes. Meisterdes Kontrapunktes, wie nach ihm kaum einer, weiß er diesem geistigesLeben einzuhauchen, selbst den kunstvollsten kanonischen und fngirtenSätzen ist die Strenge der polyphonen Schreibweise nicht anzumerken.
Wenn unsere Gesammtausgabe auch zunächst für den römischenKirchendienst bestimmt ist, so wendet sie sich doch in zweiter Liniean diejenigen Musiker, die, überreizt durch unsere moderne enhar-monisch-chromatische Musik, eine wohlthätig wirkende Beruhigungfür ihre aufgeregten Nerven aus derselben schöpfen mögen, endlichan alle Jünger der Kunst, die es gewiß in späteren Tagen nichtbereuen werden, die Werke Palestrina's in ernstester Weise studirtzu haben.