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Giovanni Pierluigi da Palestrina und die Gesammt-Ausgabe seiner Werke
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27) Giovanni Pierluigi da Palestrina und die GesammtausgaLe seiner Werke. 115

scher Beantwortung. Doch ist es nicht die Kunstfertigkeit, die diesenGesängen Werth verleiht, es ist der Geist, der aus ihnen zu unsspricht.

Herzog Wilhelm II. von Baiern, ein die Künste, namentlichdie Musik begünstigender Fürst, der eine treffliche Kapelle unterder Leitung des Orlandus Lassns unterhielt, war Palestrina wohl-gewogen und hatte ihm ansehnliche Geldgeschenke gemacht. InDankbarkeit hierfür widmete dieser ihm im Jahre 1590 den fünftenBand der Messen (Band XIV) mit folgenden Worten:

Es giebt viele Fürsten und Herren und hat deren immer ge-geben, welche die Musik als eine himmlische und göttliche Gabe inEhren halten und welche durch ihre außerordentliche, Gemüth undOhr entzündende Anmuth auf wunderbare Weise ergötzt werden.Überdies wüßte ich wahrlich kaum Jemanden, selbst wenn ich ver-gangene Zeiten mir ins Gedächtnis zurückrufe, der sich in Betreffdes Eifers und in der Beschirmung der Kunst mit Dir messenkönnte. Denn was geistig Begabte und reich Begüterte gewöhnlichans müßige Spielerei und unnütze Belustigungen oder auf wenignützliche Dinge zu verwenden pflegen, das widmest Du der heiligenMusik, indem Du keine Mühe und Ausgabe scheust, um die gottes-dienstlichen Handlungen, denen Du täglich mit großer Frömmigkeitbeiwohnst, durch Lieblichkeit und Macht des Gesanges möglichstfeierlich zu gestalten. Wenn auch davon kein Aufhebens gemachtwird, wie es die ruhmredige Fama sicherlich durch alle Lande hinthut, so suchst Du doch von überall her durch reiche Belohnungendie trefflichsten Sänger aus, nimmst Dir zugesandte Arbeiten diesesKunstgebietes freundlich auf und belohnst sie mit bewunderungs-werther Freigebigkeit. Da ich dies mehr als einmal an mir selbsterfahren habe und mich dafür Dir zu großem Danke verpflichtetfühle, so kann ich nicht umhin, Tag und Nacht darauf zu sinnen,wie ich diese Schuld abtragen und mich Dir dankbar erweisen könne.Wiewohl Du von musikalischen Werken einen solchen Überfluß hast,daß ich fast fürchten muß, wie man zu sagen Pflegt, Eulen nachAthen zu tragen, so habe ich doch diesen neuerdings von mir ver-öffentlichten Band von Messen Deinem hohen und erlauchten Na-men zu widmen gewagt."

Im VI. Jahrgang des Cäcilienkalenders (1881) hat Mich. Hallereine analytische höchst eingehende Besprechung der in diesem Bande