114
Paul Gras Waldersee.
s26
Sixtus V. gewidmet, entrollt Palestrina ein Bild seiner traurigenLage und beklagt sich darüber, daß durch diese der Druck vielerseiner Werke verhindert würde. Aus diesen Ausspruch hin sind alledie der Wahrheit entbehrenden Erzählungen zurückzuführen, die ausder angeblichen Armuth Palestrina's, als eines sensationellen Stoffes,Kapital zu schlagen suchen. Zu allen Zeiten wird es Künstler,selbst solche ersten Ranges, geben, denen es nicht immer gelingenwird, ihre Werke im Drucke vor sich zu sehen.
Aus dem Jahre 1589 datirt der ebenfalls dem Papste Sixtus V.gewidmete Band der Hymnen (Band VIII). Die Dedikation lautet:„Nichts thue ich lieber, als wenn ich nach meiner Neigung mich mitderjenigen Musik, die ich mein Leben lang betrieben, beschäftigenkann, das heißt, wenn ich von Anderen so wenig als möglich ge-zwungen werde, die herrliche Kunst zu leichtfertigen Dingen herab-zuziehen. Ich halte daran fest das zu Pflegen, worin das LobGottes am meisten enthalten ist und das durch sein Gewicht derWorte und Gedanken, wie durch die erprobte Würde und einiger-maßen auch durch die Kunst der Musik unterstützt, die Herzen derMenschen leicht zur Frömmigkeit anzustacheln vermag. Und vondieser Art habe ich schon Vieles veröffentlicht. Welche bessere Ver-wendung hätte ich für jene beiden Pfunde, die Gott mir verliehenund die herrlicher sind als alles Gold, Zeit und Talent, zumal derApostel lehrt: Ermahnet euch selbst in Psalmen, Lobgesängen undgeistlichen Liedern und danket von Herzen dem Herrn. Darum habeich unlängst die täglichen Abendlobgesänge bearbeitet." —
Sixtus V. hatte eine besondere Vorliebe für die alten grego-rianischen Kirchenweisen der Hymnen, man erzählt sich von ihm,daß er, in Nachdenken versunken, diese oder jene vor sich herzusum-men Pflegte. Hierin liegt der Grund, daß Palestrina sich zur Kom-position des Hymnenbandes veranlaßt fühlte. Die Texte behandelnverschiedenartiges, es sind Lobgesänge auf Christus, die JungfrauMaria, auf die Apostel und einzelne Heilige. In Vierstimmigkeitbeginnend, sind die Schlußsätze, die sich durch Großartigkeit undPracht auszeichnen, meist 5- und Kstimmig. Ein höchst lehrreichesStudium ist es, zu verfolgen, in welcher Verschiedenartigkeit dieKirchenweisen eingesührt werden. Bald sind sie in eine Stimmegelegt, bald aus verschiedene vertheilt, dann erscheinen sie bald inlangen gleichen Noten, bald rhythmisch geändert, endlich in kanoni-