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obwaltete, derselben von allen Geschwistern am nächstenstand. Es ist überhaupt eine sich nicht selten wiederholendeErscheinung, dass junge Mädchen an ihren älteren Brüdernmit einer Wärme des Gefühles hängen, welche sich nurdurch ein ganz eigenthümliches Ineinanderfliessen schwe-sterlicher Liebe und kindlicher Verehrung erklären lässt.Zu besonderer Lebhaftigkeit entwickelt sich dieses Gefühlam häufigsten dann, wenn der Vater nicht mehr am Lebenist und in Folge dessen der älteste Bruder an die Stelledes Hauptes der Familie tritt. Von Antoinettens zehntemLebensjahre angefangen war diess auch bei Joseph derFall. Als ältestes männliches Mitglied der Familie, alsNachfolger seines Vaters auf dem Kaiserthrone Deutsch-lands, als Mitregent in den österreichischen Staaten, durchseine ganz ungewöhnliche geistige Ueberlegenlieit endlichmusste der um vierzehn Jahre ältere Bruder der jüngstenSchwester eben so sehr imponiren, als er durch seinepersönliche Liebenswürdigkeit, seine rege Fürsorge fürsie, seine warme Theilnahme an ihrem Schicksale ihrevollste Liebe und Anhänglichkeit gewann. Eine Stellungräumte sie ihm ein, welche derjenigen, in der sie zu ihrerMutter sich befand, in Vielem ähnlich erscheint. Da-durch wurde ihm aber auch das liecht, gleich der Mutterdort mit seinem Tadel nicht sparsam zu sein, wo dasBenehmen der Schwester ihm denselben zu verdienenschien. Solches war insbesondere bei ihren Briefen anliosenberg*) und den Bekenntnissen der Fall, die sie
*) Maria Theresia und Marie Antoinette. Zweite Auflage. Seite 144und 15'*J.