Philosophisches
L extkon
der
Religion.
I.
Aberglauben.
^Aristoteles hat von der Tugend eine sonderbare Be«stimmung gegeben. Er saget, * daß sie ein Mit,tclding zwischen zweyen Dingen sey, derer eines ansMangel, und das andere aus Uebermaaße fehlet. Wennwir diesem Begriffe folgen, so können wir eben so richtigsagen, daß die Religion ein Mittelding zwischen zweyenDingen ist, derer eines aus Mangel, und das andere ausUebermaaße fehlet: undz diese zwey Dinge sind die Gottlo,sigkeit, und der Aberglauben. Die Gottlosigkeit verweigertGotte die Ehren, die man ihm schuldig ist; der Aber-glauben bezeiget ihm Ehren, die er weder genehm halten,noch gutheißen kann.
Weil die Gottlosigkeit in sich selbsten eine sehr ver,dammliche Sache, und die Religion den Gottlosen äußerstverhaffet ist; so geben sich diese Herren Mühe, sich untereiner Hülle zu verbergen, wodurch sie den Gräuel ihrerGottlosigkeit den Augen der Welt entziehen, und darunterihren Haß gegen die Religion in voller Freyheic anslassen
mögen.
Sitten!. 5. B.I. Band.