Druckschrift 
1 (1852) Der Vendidad
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

EINLEITUNG

Indem wir hier dem Publikum die Uebersetzung eines Werkesübergeben, das nach unserer vollkommensten Ueberzeugung in dieRe-ligions- und Culturgeschichte des älteren Asiens tief eingreift, haltenwir es für unsere Pflicht den Lesern hier die Cullur des persischenReiches und ihre Beziehungen zu den anderen Völkern des Orientsnäher darzulegen. Die persische Culturgeschichte vollkommen zuerschöpfen, ist hier weder unserZweck noch steht es für jetzt in un-serer Macht. Das gegenwärtige Werk soll eine Vorarbeit sein, durchdie, in Verbindung mit anderen Forschungen auf verwandten Ge-bieten, es mit der Zeit ermöglicht werden wird, die persische Culturvollkommener zu übersehen als es jetzt der Fall ist. Wir hoffen, dassdie nachfolgenden Andeutungen Andre zu gründlichen Einzelfor-schungen antreiben werden; das persische Culturgebiet ist ein soweites und steht in inniger Beziehung mit so verschiedenen anderenCulturvölkern, dass die Kenntnisse und die Kraft eines Einzelnennicht ausreichen können, diese Beziehungen vollständig zu zeichnen.

Unsere Kenntniss altpersischer Cultur sowie unser ganzes Ver-ständniss des Avesta ist erst wenige Jahrzehnde alt und durchauseine Frucht der neueren Forschung. Es kann erst im Verlaufe dieserEinleitung gezeigt werden, warum wir die frühere französische Ue-bersetzung des Avesta nicht als eine Vorarbeit für die unsere be-trachten können. Nicht blos aber die Kenntniss der Sache selbst hatuns die neuere Forschung verschafft, sie hat uns auch den rechtenZusammenhang kennen gelehrt. Das Interesse, das man in Europaan den Urkunden des alten Orients nimmt, ist bedeutend gestiegen,seit man weiss, dass wir mit der Urgeschichte des Orients unsereeigene Geschichte erforschen. Es war ein unerwarteter, grosserFund, den die englischen Gelehrten und unter ihnen vornehmlichW. Jones im Laufe des vorigen Jahrhunderts machten, dass die alteheilige Sprache der Inder, das Sanskrit mit den europäischenGultursprachen der alten und mittleren Welt auf das innigsteI. i