organe :c. zu halten. Manche Stellen, welche in unserer Zeit geradezufür anstößig und unschicklich gelten, mußten darum von uns ge-strichen werden. L. Lassem.
Schon manches kleine Buch schrieb ich bisher für junge Leuteund für Kinder, welche nicht die weinigen waren; diesmal, meineeinzige Tochter, schreibe ich zunächst für dich — für dich, auf welchejetzt, da ich für mich selbst nichts Beträchtliches mehr hienieden zuerwarten und zu wünschen habe, meine süßesten Hoffnungen undmeine heißesten Segenswünsche sich allmählich alle zusammenziehen!
Der Kindheit Stufen sind nunmehr von dir erstiegen. Sie istdahin, die gute goldene Zeit, in der das einige einfache Verhältnisdes Kindes zu seinen Eltern dein ganzes, leicht zu übersehendes undleicht zu befolgendes kleines Pflichtengebände fast nur allein bestimmte!Sie sind dahin die sorgenfreien Wonnetage des unbefangenen Alters,die unter dem schützenden Dache liebender Eltern, welche für dichwachten und sorgten, sich so leicht, so froh verscherzen ließen! DasBächlein deines Lebens schwillt nunmehr, von bald fünfzehn zurück-gelegten Jahren erweitert, allmählich zum Fluß an, der mit jedemTage breiter wird, mit jedem Tage schneller und tiefer — und odürfte ich nicht besorgen, auch mit jedem Tage trüber strömt! DesBächleins einzige Bestimmung war, in kleinen scherzhaften Krüm-mungen zwischen Blumen hinzurieseln, zu tändeln mit den kleinenKieseln seines Betts und dem lustwandelnden Zuschauer zur an-genehmen Augenweide zu dienen. Diese leichte Bestimmung hatnunmehr aufgehört; eine weit ernstere, eine weit mehr bedeutendeist an ihre Stelle getreten. Der Fluß soll forthin nicht mehr tändeln,er soll Mühlenräder treiben; soll lastbare Schiffe auf seinem Rückentragen, soll den täglichen Abgang an Lebenskräften und nützlichenFertigkeiten in dem großen wogenden Oceane der Menschheit durchseinen täglichen Beitrag ersetzen helfen! O meine Tochter, fühle ihndoch ganz, diesen großen herz-erhebenden Unterschied dieser würdigemBestimmung und blicke flehend auf zu dem, von welchem alle gute