Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
169
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Als am 4. März und die folgenden Tage die erste Lesung des Branntwein-monopols im Reichstag stattfand, erregte eine Notiz derMagdeburger Zeitung"großes Aufsehen, wonach Fürst Bismarck bei dein parlamentarischen Diner am2. desselben Monats den Nationalliberalen geraten haben sollte,sich nicht indiesen Schlund des Brantweinmonopols zu stürzen". Man erklärte sichdamit die überraschende Stellung der Nationalliberalen gegen das Monopol.Wie mir damals von vertrauenswürdiger Seite mitgeteilt wurde, hat sich derFührer der Konservativen, Abgeordneter von Helldorff-Bedra, zum Grafen HerbertBismarck begeben und um Aufklärung dieses Gerüchtes, das begreiflicherweisein den Reihen der Konservativen Unruhe und Verwirrung hervorgernfen hatte,gebeten'). Graf Herbert habe dann sofort seinen Vater ausgesucht und vondemselben den Bescheid znrückgebracht, er wünsche nach wie vor das Zustande-kommen des Branntweinmonopols, die Notiz derMagdeburger Zeitung" seiWort für Wort erlogen. Der Kanzler soll so wütend darüber gewesen sein, daßer gleich das Rasiermesser, mit dem er sich gerade den Bart abnahm, in die Eckegefeuert hat. In der That soll die fragliche Warnung bei Gelegenheit deserwähnten Kanzler-Diners den Nationalliberalen zu teil geworden sein, nur nichtseitens des Fürsten Bismarck, sondern von einer andern ihm nahestehenden Person.

Auf den 2. Juni 1886 fiel ein Kommers aller Corpsstudenten in Leipzig,bei welcher Gelegenheit der Reichstagsabgeordnete I)r. Hartmann") den vor einemhalben Jahrhundert der Hannovera in Göttingen angehörenden größten Korps-studenten Fürsten Bismarck in folgender Weise feierte:

Es ist ein halbes Jahrhundert und länger her, da schmückte die Cvipsmützeder Hannovera zu Göttingen das blonde Lockenhaupt eines jungen märkischenEdelmanns. Er hat die Lust der Lieder und der Waffen mit vollen Zügen ge-nossen und, als es zum Scheiden kam, durften seine Corpsbrüder ihm mit Wahr-leit Nachrufen:Sein Herz wie auch sein Eisen stets brav geschlagen hat!"

Jahrzehnte sind vergangen, da sehen wir ihn durch das Vertrauen seinesKönigs an die Spitze der preußischen Staatsregierung gestellt. Jetzt beginnteine Thätigkeit von weltgeschichtlicher Bedeutung. Mit wenigen wuchtigenSchlagen zimmert er das Deutsche Reich von neuem zusammen stolz und ge-waltig steht der Bau da, als hätte er niemals in Schutt und Trümmer» gelegen des Kaisers Majestät und des Reiches Herrlichkeit, seit lange nur ein schönerTraum, sind Wirklichkeit geworden.

Seitdem hat der alte Corpsbursch der Hannovera als Kanzler und ersterRat des Kaisers die deutschen Angelegenheiten geleitet. Das Reich, im Augen-blicke seiner Auferstehung schon die erste Großmacht Europas, reckt und dehntsich zur Weltmacht. Es ist der waffengewaltigste Hort des Rechtes und desFriedens. Ans fast allen Gebieten des staatlichen Lebens erscheint es führend,bahnbrechend, ein leuchtendes Beispiel für andre Nationen. Und allezeit hält erals treuer Eckart scharfe Wacht.

>) Vergl. oben S. 166.

") IN-. Hartmmin ist alter Herr der Lnsatin zu Leipzig-