1882
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sprach über Politik und Politiker, versäumte aber keine Gelegenheit, seine Vor-liebe für Landwirtschaft und das Landleben an den Tag zu legen. Er versicherteallen Ernstes, daß, wenn ihm nicht die Politik in die Quere gekommen wäre, eres in der Landwirtschaft zu etwas Tüchtigem gebracht haben würde. Die Unter-haltung gewann somit einen durchaus gemütlichen Ton. Als das Gefährt ineinen richtigen pommerschen Landweg einlenkte, dessen Bestimmung ein Täfelchenan einem Baume als „Holzweg" charakterisierte, machte Cremer mit Bezugdarauf den Scherz, daß er aus eigenster Erfahrung eine Behauptung aufstellenkönne, die kein Diplomat der Welt wagen könne, ohne sich unendlich lächerlichzu machen, nämlich, daß er den Fürsten Bismarck auf dem Holzwege gesehenhabe. In bester Stimmung langte die Gesellschaft in Varzin wieder an. Alses zur Tafel ging, hatte Cremer die Ehre, die Fürstin Bismarck zn Tisch führenzu dürfen, und an der rechten Seite des Fürsten Platz zu nehmen. Nach Tischbesprach Fürst Bismarck mit Cremer die gesamte politische Lage, namentlichmit Rücksicht auf die damals bevorstehenden Wahlen. Cremer entwickelte seineGrundsätze, und Fürst Bismarck machte ihm gegenüber aus seinen intimstenGedanken kein Hehl. Herr von Masfow war an dieser Unterhaltung nicht be-teiligt. Wiederholt trat die Fürstin an ihren Gemahl heran mit der Mahnung:„Otto, Dn mußt Dir endlich Ruhe gönnen; Du mutest Dir wieder zu viel zu!"Aber der Fürst winkte in liebenswürdigster Weise ab mit den Worten: „Laßmich, Johanna, wir unterhalten uns ausgezeichnet, und das ermüdet auch nie!" AmSchluffe konnte Cremer konstatieren, daß er fast in allen Punkten mit Bismarckübereinstimmte. Bismarck bat Cremer wiederholt, die entwickelten Theorien mitNachdruck weiter zu verteidigen, ohne im mindesten die eigenen Anschauungendesselben zu beeinflussen, und fragte schließlich, ob er etwas für ihn thun könne.Cremer erwiderte, er habe nur den einen Wunsch, Bismarck möchte seinen Ein-fluß dahin aufwenden, daß er staatlicherseits weder Anerkennung noch Auszeichnungerhalte, und bemerkte etwas drastisch: „Ein Band ins Knopfloch wäre für michdie Strippe ums Beim Sobald ich einen Titel oder Orden hätte, würde mansagen: Er muß! Ich will aber nicht müssen, ich will wollen!" Bismarckwar anfangs frappiert. Dann meinte er lachend: „Während man sich sonst dieGesellschaft kaum vom Halse halten kann, die einen um alles Mögliche bittet,verlangen Sie das Gegenteil. Den Gefallen kann man Ihnen thun, und Rechthaben Sie obendrauf!"
Nach der Abreise von Varzin sagte Masfow dem Abgeordneten Cremer, daßvon dem in Varzin Gesprochenen nichts lautbar werden dürfe.
Auf der Rückreise nach Berlin traf Cremer unterwegs mit dem GrafenWilhelm Bismarck zusammen. Cremer sing den Grasen, wie er sich zu verhaltenhabe, falls die Thatsache seines Varziner Besuches in der Presse verlautbare.Graf Wilhelm erwiderte, daß Cremer absolut keine Veranlassung habe, aus derThatsache selber ein Geheimnis zn machen, daß er sich aber in Bezug auf dieEinzelheiten Reserve auferlegen möge. Es dauerte volle sechs Wochen, bis dieAnwesenheit Cremer's in Varzin öffentlich bekannt wurde. Zunächst geschah dies