Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
135
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1882

13.1

Elemente sich im vorigen Frühjahr mit der abstrakten Opposition verschmolzen,so daß die Nationalliberalen mehr als je auf das Zusammengehen mit der Rechtenhingewiesen wurden st.

Kurze Zeit vor deu Wahlen hatte Bismarck die persönliche Bekanntschaftdes Abgeordneten Christop Joseph Cremer st gemacht. Derselbe arbeitete seit1864 in der Journalistik, war im Jahre 1875 von dem zweiten Kölner Wahl-kreise in das Abgeordnetenhaus gewählt worden, und kandidierte im Jahre 1881für den Reichstag in Berlin. Im Jahre darauf wurde er in das Abgeordneten-haus unterhalb der Mauern Berlins von einer rein protestantischen Bevölkerunggewählt. Die Bedeutung der Kandidatur eines Katholiken in dem protestan-tischen Berlin lag auf der Hand st.

Die erste Anregung der direkten und persönlichen Beziehungen des Ab-geordneten Cremer zu dem Fürsten Bismarck erfolgte durch den damaligen Frei-herrn, jetzigen Grasen von Mirbach. Letzterer kannte Cremer als Mitarbeiter amDeutschen Tageblatt" und als eifrigen Verfechter konservativer und nationalerIdeen und sagte im Herbst 1881 zu demselben:Sie müssen den Fürsten Bis-marck kennen lernen!" Cremer verhielt sich zu diesem Vorschläge keineswegs ab-lehnend, that aber seinerseits keinen Schritt zur Verwirklichung desselben. Am1. März 1882 vermittelte Freiherr von Mirbach in seinem Absteigequartier imHotel Royal in Berlin die Bekanntschaft Cremer's mit dem Chef der Reichs-kanzlei, Geheimrat Dr. von Rottenburg. Kurze Zeit darauf sagte Rottenburgzum Abgeordneten Cremer auf einem Balle bei dem Minister Maybach:DerFürst Bismarck wünscht Sie morgen zu sprechen. Ich werde Sie vom Ab-geordnetenhause abholen." Rottenburg fuhr am andern Tage dort auch vor,jedoch nur um ihm zu sagen, daß der Reichskanzler an diesem Tage infolgerheumatischer Schmerzen verhindert sei, Cremer zu empfangen.

st Ein offiziöser Korrespondent wollte im August 1882 dem Pnbliknm glauben machen,daß Fürst Bismarck sofort nach Ablehnung des Tabakmonopols es in einer Ministerialsitznngentschieden abgelehnt habe, ans die Wahlen einzmvirken. Er habe damals die volle Verant-.wortnng für das Weitere Herrn von Pnttkamer zngeschoben und denselben ziemlich scharf an-gelassen:Besorgen Sie die Wahlen und schaffen Sie mir das Verwendnngsgesetz. Eher be-kümmere ich mich nicht mehr um die innere Politik." Die Nachricht klang sehr unwahr-scheinlich.

st Cremer, Christoph Joseph, Redakteur in Berlin, geboren in Bonn am 15. Juli 1840,katholisch. Seit 1875 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Sein politischer Standpunkt ist derchristlich-konservative. Cremer trat anfangs April 1864 in die Redaktion derKölner Blätter"(jetztKölnische Volkszeitung") ein. Bald darauf übernahm er dieKölnische Handels-zeitnng" unter eigener Verantwortung. Im Jahre 1868 ging er auf zwei Jahre nach Frank-reich; im Juni 1870 nach Deutschland zurückgekehrt, übernahm er die Redaktion desWest-fälischen Merkurs" in Münster. Daun kam er nach Berlin zurGermania", deren Redaktioner im Jahre 1875 selbständig leitete, 1877 redigierte er kurze Zeit die in Würzburg erscheinendeBavaria".

3) Vergl. Wiermann a. a. O. Bd. II., S. 332.