S3 Die erste Session der V. LegislatuoPeriode des Reichstnqs
Göhrde gefolgt war, und meldete, daß der Kaiser die ganze Jagd durchgemacht,34 Sauen und 17 Stück Damwild erlegt habe und soeben frisch und wohl-behalten in Berlin wieder eingetroffen sei. Selbstverständlich herrschte darüberallgemeine Freude und Genugthuung.
Mit seiner eigenen Gesundheit war der Reichskanzler nicht zufrieden, Berlinbekomme ihm nicht, es fehle ihm an frischer Luft und Bewegung, er müsse baldwieder aufs Land. Von seinem Wirken auf seinen Gütern, dem Bau vonWohnungen für seine Arbeiter u. s. w. sprach er mit offenbarer Befriedigung.
Es war schon spät geworden, als ein vertrauter Freund des Hauses mitBetonung der vorgerückten Stunde Abschied nahm und dadurch den Fürstendarauf aufmerksam machte, daß ein Teil seiner Gäste sich zum Aufbruch anschicke.Im Laufe einer Viertelstunde waren die gastlichen Räume leer und nur dienächsten Freunde des fürstlichen Hauses blieben zurück. Draußen schlossen dieGäste sich in kleinere Kreise zusammen und tauschten ihre Wahrnehmungen undEmpfindungen aus.
Es war nicht Zufall, daß der Fürst sich gerade an den Tisch niederließ,an dem überwiegend Neulinge oder doch weniger namhafte Parlamentarier saßen.Denn, indem er sich diesem Tische näherte, gebrauchte er seine Lorgnette, wie manchmalin großer Gesellschaft, und als er heran war, zog er einen leer stehenden Stuhlherbei, schob denselben zwischen den vr. Hartmann und den Freiherrn von Om,die natürlich schleunigst auseinander rückten, und nahm darauf Platz. —
Bei dieser Gelegenheit lernte vr. Hartmann auch den Reichshund Tiraskennen. Er mochte sich aber lästig gemacht haben, denn die Fürstin Bismarckergriff ihn beim Halsband und führte ihn aus dem Saal. Das mochte ihmaber nicht passen, er stemmte sich kräftig dagegen, und die Fürstin hatte esschwer, ihn vom Fleck und hinaus zu bringen. Begreiflicherweise erlaubte sichniemand von den Gästen, mit Hand anzulegcn. Sie wurde schließlich allein mitihm fertig.
Berlin, den 20. Januar 1882.
In den beiden vergangenen Wochen hat der Reichskanzler nur ein einzigesMal an den Verhandlungen im Reichstage teil genommen. Er war die ganzeZeit hindurch unwohl, auch damals schon. Doch hatte er bei der Wichtigkeitder Sache auf persönliche Teilnahme an der Verhandlung nicht verzichten wollen.Es handelte sich um die Interpellation des Abgeordneten Freiherrn von Hertling(Centrum) wegen weiterer Allsbildung der Fabrikgesetzgebung. Der Reichskanzlerhielt damals wieder eine hochbedeutsame und wirkungsvolle Rede. Den humanenAbsichten des Interpellanten stimmte er zu. Freilich konnte er nicht umhin,vor Übertreibungen zu warnen, damit nicht, zumal dem Arbeiter, die beabsichtigteWohlthat zur Plage werde. Liberalerseits wollte man ihm hier einen Rückfallin die Lehren des Manchestertums beimessen. Das konnte ich darin nicht finden.Denn wenn er aussührte, daß ein absolutes Verbot der Sonntagsruhe nichtangehe (z. B. bei den Gewerben mit fortdauernder Feuerung), daß eine für immerfeststehende Normalarbeitszeit unter Umständen einem gewerblichen Unternehmer