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3 (1896) 1879 - 1890
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60 Die vierte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Je näher der Termin für die Neuwahlen heranrückte, um so lebhafter er-scholl von seiten der Forschrittspartei der alte SchlachtrufFort mit Bismarck"').

Taktisch geschickter ging bei seiner Agitation Eugen Richter auf einer Wahl-rede in Neustadt in der Pfalz zu Werke. Er ließ in die Versammlung nichtetwa den Ruf hiueinschallen: Fort mit Bismarck aber er bemühte sich darzuthun,daß die Politik Bismarck's in allen ihren Richtungen den Auffassungen der Fort-schrittspartei entgegen sei; er mutete den Pfälzeru nicht zu, sichgegen Bismarck"zu erklären, aber er sagte ihnen, daß es der Fortschrittspartei darauf ankomme,ihrengegen Bismarck" genommenen Standpunkt zu wahren, und daß siealles daran setzen müsse, nur einen Umschwung zu ihren Gunsten herbeizuführen.Wir schätzen den großen Staatsmann hoch, sagte Herr Eugen Richteraber wir treiben keinen Bismarck-Kultus

') Vergl. die am 30. März 1881 gehaltene Rede des Abgeordneten von Sancken-Tarput-schen in Berlin (Post" Nr. 119. außerordentliche Beilage). Am 29. April 1881 erklärte derAbgeordnete von Saucken-Tarpntschen in einer Berliner Wahlversammlung: Er habe weder dieFragefür oder gegen Bismarck" noch die Parole:fort mit Bismarck" aufgestellt, sondernnur in seiner früheren Rede gesagt, daß nach der Haltung und den Ausführungen der konser-vativen Presse bei der nächsten Wahl sich zwei Parteien bilden müßten, von denen die eine für,die andre gegen Bismarck sei. Die Fortschrittspartei würde nie zu der Forderung sich veran-laßt sehen, die Entfernung Bismarchs zu verlangen, denn sie wisse, daß dann nur eine jüngereKraft auftreten würde, welche dieselben Prinzipien wie Bismarck verfolgt. Die Fortschritts-partei nehme trotz der energischen Bekämpfung Bismarchs von dem Reichskanzler alles gernentgegen, was dem Volkswohl nützen könne, und die Pflicht eines jeden Mannes, der es mitdem öffentlichen Wohle ehrlich meine, sei es, das anznnehmen, was dem VolkSwohle nützenkönne, gleichviel von wem es komme; die konservative Partei habe von jeher die Anmaßungbesessen, Patriotismus und Königstreue für sich allein in Anspruch zu nehmen. Die Pflichteines jeden wahrhaft patriotischen Mannes sei es, mit der Wahrheit offen anfzutreten und dasoffen heransznsagen, was er als für das Wohl des Landes und Volkes für geboten halte. Dassei die wahre Königstreue. Zn der politischen Situation und besonders der jüngsten Vergangen-heit übergehend, bemerkt Redner, daß die Maßregeln des Fürsten Bismarck nach der agitatori-schen und organisatorischen Seite hin zu beurteilen sind. Die agitatorische Thütigkeit Bismarck'ssei ganz bedeutend und von enormer Wirkung. Zn der organisatorischen Thätigkeit des FürstenBismarck übergehend, verweist Redner darauf, daß der Reichskanzler auch keine besondere Geld-quelle habe, wie jeder andre, sondern daß jeder Pfennig, den er ansgebe, ans den Taschen derSteuerzahler hervorgehen müsse. Es handle sich bei allen neuen Präpositionen Bismarck's nuruni ein Tauschsystem, bei welchem er das nur wiedergiebt, was er vorher erhalten hat. Wasder Reichskanzler vorgeführt, seien vorläufig nur Ideale. Zn dem System Bismarck's liegeeine Schädigung des Parlamentarismus und des konstitutionellen Lebens. Er (Redner) erkläreoffen, daß er durch und durch ein Monarchist sei, und weil er das sei, wolle er den Monarchenso stellen, daß er der Verantwortlichkeit vollständig enthoben ist, dies aber könne nur durchein vollkommenes konstitutionelles System geschehen.

2)Gewiß ist so bemerkte dieNordd. Mg. Ztg." v. 30. April 1881, Nr. 200 auch dieseZuspitzung der Richter'schen Rede charakteristisch für die Taktik der Fortschrittspartei, welche, dasie es vor diesem Publikum für nicht ratsam gefunden hat, die Beseitigung des Reichskanzlersals Ziel ihrer Bestrebungen offen zu bekennen, allen seinen Plänen entgegentritt und alle un-klaren Geister durch einen falschen Vorwurf au sich zu locken sucht. Gerade die unklaren Geisterwollen ja am wenigsten den Schein der Unselbständigkeit ans sich lade»; von diesen unklarenund unselbständigen Geistern kann man erwarten, daß sie sich blindlings der Autorität des