52 Die vierte Session der IV. Segislatnr-Periode des Reichstags
der Empfänger ersucht wird, diese rein persönliche Angelegenheit als durchausvertraulich zu behandeln, in Ihrem Blatte zuerst veröffentlicht worden. Icherkläre, daß dieses Schreiben nur durch einen groben Vertrauensbruch indie Hände der Redaktion gelangt sein kann. Eine Anfrage seitens der Redaktionbei mir, zu der ja jederzeit Gelegenheit war, hätte jeden Zweifel über denCharakter des Cirkulars, der nach dem Inhalt des vertraulichen Schreibens mirwenigstens ausgeschlossen schien, beseitigt.
Die „Germania" erklärte hierauf, dem Wunsche nach Namhaftmachung ihresGewährsmannes nicht Nachkommen zu können. — Es war naheliegend, daß GrafMirbach zu erfahren wünschte, welchen Eindruck die Indiskretion des genanntenBlattes auf deu Fürsten Bismarck gemacht hatte. In dieser Beziehung teilteGraf Rantzau demselben mittelst Schreibens vom 24. März 1881 u. a. mit:
„Wie ich vermutete, hat die Publikation der „Germania" den Reichskanzlernicht im mindesten froissiert. Er freute sich vielmehr über den Schneid, mitwelchem Sie heut die Sounemann'sche Gelegenheit ani Schopf ergriffenfl, undbittet Sie, morgen uni fünf Uhr im Überrock bei ihm zu essen."
Der Reichskanzler sagte dem Grafen Mirbach am 2. April nach Tisch, beider Verabschiedung, indem er ihm die Hand reichte: „Ich danke Ihnen noch-mals herzlich für die Unterstützung, die mir Ihrerseits zu teil geworden ist."
Die Anregung des Grafen Mirbach in seinem Cirkular vom 5. März 1881wurde von nahezu allen Empfängern desselben sympathisch ausgenommen, fastalle ließen auch den Wunsch erkennen, den bewährten Politiker auch fürderhinan der Spitze der Steuer- und Wirtschaftsreformer zu sehen.
Einzelne der Deklaranten setzten sich alsbald persönlich mit dem FürstenBismarck ins Benehmen, andre hatten noch Bedenken hinsichtlich der Form,einzelne wollten nur nicht förmlich xsckar xsoeavi sagen, hatten aber im Herzenlängst eingesehen, daß sie Bismarck unrecht gethan hatten und daß die Konser-vativen nur in ihm die Verwirklichung ihrer Ideale finden würden. Jedenfallskann man sagen, daß der Mirbach'sche Schritt von Erfolg begleitet war unddaß er vielfach eine Versöhnung anbahnte, die unter andern Umständen so leichtnicht zu erzielen gewesen wäre.
Besonders früher, als die Wunde noch heftiger brannte, nah»: es FürstBismarck mit der Annäherung von Deklaranten nicht leicht. Einer derselbenhatte sich brieflich an den Grafen Herbert Bismarck gewendet mit der Bemerkung,er wolle, indem er eine Audienz beim Fürsten nachsuche, hierdurch demselbenseine besondere Hochachtung und Ehrerbietung zu erkennen geben. Graf Herbertlehnte den Besuch namens seines Vaters ab, da der Fürst zu krank sei, um Be-suche zu empfangen. Gleichzeitig stand gerade damals in allen Blättern, derFürst erfreue sich einer besonders guten Gesundheit, er gehe täglich auf Jagdund so weiter.
y Anspielung auf die Reichstagsrede Mirbach's vom 24. März 1881, Stenogr. Bericht,S. 511.