1880
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wenn ich nuch erwarte, daß mir eine gewisse Agitationspresse der oppositionellenParteien dieses Recht nicht zugesteht. Mit dem Ausdrucke meiner Hochachtungbin ich Ew. Wohlgeboren ergebener
Gras W. von Bismarck, Mitglied des Reichstags.
Es ist gewiß gegen unsre Absicht geschehen, bemerkte die „Kölnische Zeitung"bei Abdruck dieser Zuschrift, wenn in unserin Berichte die Ansichten des GrafenWilhelm Bismarck nicht ganz richtig getroffen sind. —
Von der Ansicht ausgehend, daß die Kritik derjenigen, die später durch dieAusführung der Gesetze betroffen werden, erhöhte Bürgschaften für die zweck-mäßige Gestaltung der Gesetze gewährt, interessierte sich Bismarck sogleich nachseiner Ernennung zum Handelsminister lebhaft für die Errichtung eines preußischenVolkswirtschastrats, dem der „Reichsfuß" später noch hinzugefügt werden sollte.In diesen Bestrebungen fand Bismarck einen wertvollen Bundesgenossen in derPerson des Reichstagsabgeordneten I)r. xtckl. Hermann Rentzsch').
Am 4. Februar 1881 richtete er an denselben nachstehendes Schreiben-):Euer Wohlgeboren erwidere ich aus die gefällige Zuschrift vom 26. v. M.,daß ich wegen der Bitdung eines deutschen Volkswirtschaftsrats den Bundes-regierungen bereits Vorschläge gemacht habe, welche im Prinzip von IhrenAuffassungen nicht abweichen. Die einzelnen von Ihnen gegebenen Anregungenwerden bei den weiteren Beratungen Beachtung finden.
Wie im vorliegenden Falle, so werde ich auch bei andern GelegenheitenAnregungen, die mir bei der Bedeutsamkeit Ihrer Stellung von Wichtigkeitsind, gern entgegennehmen.
Der Kanzler legte auf das Urteil des Abgeordneten Rentzsch Wert, da der-selbe damals die wichtige Stelle eines Generalsekretärs des Vereins deutscherEisen- und Stahlindustrieller in Berlin bekleidete. Er hatte denselben schon am24. Februar 1879 zu sich gebeten, also zu einer Zeit, da die Vorarbeiten derZolltarifreform mitten im Gange waren.
Der Leser wird entschuldigen, wenn ich auf diese erste cinitündige Unter-redung Bismarck's mit vr. Rentzsch hier zurückkomme, wiewohl dieselbe in einefrühere Session dieser Legislatur-Periode fällt.
>) Namhafter Volkswirt, wohnhaft in Dresden-Blasewitz. Geboren den 9. Oktober 1832in Daubnitz. Evangelisch-Iulherisch. Von 1859 — 1862 Oberlehrer an der ersten Realschule inDresden und Redakteur für den volkswirtschaftlichen Teil der sächs. konstit. Zeitung, von 1802ab Sekretär der Handels- und Gewerbekammer in Dresden. 1868—1875 Mitglied dessächsischen Landtags, übernahm nach kurzer Thätigkeit in der sächsischen Eisenbahnbaugesellschaftdie Geschäftsführung des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, interimistisch 1867—1877das Generalsekretariat des deutschen Handelstages. Verfasser namhafter volkswirtschaftlicherSchriften, vor allem bekannt durch die Herausgabe des Handwörterbuchs der Volkswirtschaftslehre.Leipzig (1863—1865). 1878 in den Reichstag gewühlt im 1. Wahlkreise deS Königreichs Sachsen.Nationalliberal.
2) In Kohl's Bismarck-Regesten nicht erwähnt.