Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

1880

2t

herigen Fraktionstyrannei. Eher vielleicht könnten wir von sreikonservativerSeite Verstärkung bekommen. Einige Württemberger gehören eigentlich zu uns;allein der Fraktionsverband ist ein mächtiger.

Was wäre nun wünschenswert, im Ange zu behalten und mit aller Vorsichtanzubahnen? Eine Fraktion, die unabhängig ist vom beherrschenden Berlinertumund von der spezifisch preußischen Parteipolitik, in der auch Süddentschland mitseinen Anschauungen und Interessen mehr als in den bestehenden Fraktionen zurGeltung kommt. Gegen zn weit gehende Centralisationsgelüste: hier muß manvorsichtig sein, um nicht zn erschrecken.

Der Name tonnte sein: „Liberale Partei." Die „Mäßigung" und dieMöglichkeit, daß auch „gemäßigt" Konservative beitreten, würde sich von selbstmachen; die Unterscheidungsmerkmale sind hier flüssig. Das Beiwort „national",in Württemberg der Name „deutsche Partei", weist auf einen Gegensatz frühererZeit hin, dessen Bedeutung mehr und mehr nach seinem früheren Sinne zurück-tritt. Er stößt aber noch manche ab und erinnert unnötigerweise an frühere ver-letzende Kämpfe.

Ich glaube, im Sinne des oben Bemerkten ließe sich in Württemberg wieim Reichstag mit dem Namen „liberale Partei" und entsprechender sachlicherHaltung etwas machen, in Württemberg vielleicht alles außer den Extremen ver-einigen. Dann könnte vielleicht bei den nächsten Reichstagswahlen in Württem-berg und Bayern auf den Namen der „liberalen" Partei gewählt werden unddadurch die neue Gruppe zur mächtigen Fraktion heranwachsen. — Vorerst aberist abzuwarten.

Berlin, Freitag, 20. Februar 1880.

Gestern Abend bei N. Wir besprachen die Fraktionsverhältnisse. Ihn undeinige andre hörte ich gestern von Bildung einer großen liberalen Parteisprechen, welche die Zukunft bringen könne. Wir wollen einmal mit einer kleinenanfangen.

Von verschiedenen Seiten höre ich, daß Bismarck mit dem Gang derPräsidentenwahlen sehr unzufrieden sei (Arnim, ultramontane konservative Allianz).

Berlin, 21. Februar 1880. Samstag.

Gestern wurde Ackermann zum zweiten Vizepräsidenten gewählt mit nur102 Stimmen; gegen 90 weiße Zettel. Die Freikonscrvativen gaben »reist auchweiße Zettel ab. Bismarck soll zu Arnim, als dieser ihn besuchte, gesagt haben,Bennigsen wäre ihm als Präsident lieber gewesen.

Gestern besprach ich mit Löwe, dem Präsidenten der anno 1849 in Stutt-gart gesprengten Nationalversammlung, die politische Situation und die Partei-frage. Wir fanden nnS in der Hauptsache einig; er wird, vielleicht noch miteinigen andern, unsrer Gruppe beitreten.

Berlin, 23. Februar 1880. Montag.

Mit den Nationalliberalen stehe ich freundlich. Aus meiner Ablehnungde> Wahl zum zweiten Vizepräsidenten haben sie eine Bürgschaft dafür, daßich trotz meines Ausscheidens ans der Fraktion der liberalen Sache getreu bin.