I. Session des Norddeutschen Bundes und des ZollpnrlmnentS I8K9
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Aber der Geschilderte hatte sich dem argen Spötter von Unruh-Magdeburg,dem Präsidenten der konstitutionellen preußischen Nationalversammlung von 1848,schon genähert.
„Ich weiß ein hübsches Geschäft für Sie, Kollege," sagte Unruh. „KausenSie sich den Abgeordneten für die große Seestadt 1k. zu dem, was er wert ist,und verkaufen Sie ihn zu dem, für was er sich hält."
„Werd' ich verdienen neunnndneunzig Prozent," lachte Strausberg.
Das finanzielle Alterego des großen Eisenbahnbarons, der Herzog von Ujest,war jetzt auch in die Nähe getreten; er ist Vize-Präsident des Reichstags, fünfStimmen waren bei seiner Wahl aus Versehen ans den vr. Strousberg gefallen.
Jetzt tauchte neben ihm auch das ehrwürdige Haupt Simson's auf, desewigen Präsidenten aller deutschen Parlamente.
„Kennen Sie das beste Mittel, den Franzosen Respekt einzujagen?" fragtemein Nachbar. Ich dachte an die Million unsrer Krieger. Er aber fuhr fort:„Sie brauchen den Franzosen nur das Eine zu sagen,' daß unsre drei.PrästdLiMnSimson, Ujest und Bennigsen zusammen siebenundzwauzig Kinder haben, jederneun." ." '
Inzwischen war zur Erfrischung der Gäste Maitrank und aus prachtvollensilbernen Humpen schäumendes Bier geschenkt worden. Aber die Hitze wurdeimmer empfindlicher. Freund Lasker brachte zuerst das Amendement ein, dieweißen Handschuhe auszuziehen, und wie die meisten Lasker'schen Anträge fandder Vorschlag zahlreiche Unterstützung unter den Abgeordneten, diesmal sogarunter den Bundesräten. Nun luden auch die näheren Freunde und Verwandtendes Kanzlers ein zum Eintritt in das letzte der Reihe von Gemächern, die manbis dahin durchschritten hatte, in den Speisesaal des auswärtigen preußischenMinisteriums. Dieser Saal, ein längliches Rechteck, stößt im rechten Winkelaus den zuletzt geschilderten Salon; nur seine Schmalseite geht nach der Straße.Die äußere Ausstattung dieses Speisesaals weicht von derjenigen aller übrigenWohnräume des Grafen erheblich ab. Dieser Saal nämlich ist unverändert sogelassen, wie Bismarck ihn von seinem Vorgänger überkommen hat; und wohlseit fünfzig Jahren ist dieser Raum unverändert geblieben. Da hängt nochderselbe schwerfällige Kronleuchter mit achtundvierzig Kerzen, da zieht ringsuman den Wänden noch dasselbe weiße Getäfel mit Goldleisten, dieselben muschel-förmigen Lichtspiegel, dieselben gelben Marmorwände, wie untesi'Hardenberg undManteusfel und Schleinitz. „Das letzte Mal war ich unter Mantenffel hier,"sagte der ehrliche alte Gras Schwerin, der Minister der „liberalen Ära", zumir, wie immer die Hände in den Hosentaschen.
Die erste Scheu vor dem Zulangen nach den lieblichen Rehrücken undFilets, Mayonnaisen und italienischen Salaten, die auf der Mitteltafel prangten,war bald überwunden. An ein Sitzen während der Mahlzeit war nicht zudenken. Man ergriff einen der Teller, die auf der Tafel übereinander geschichtetwaren, und das nötige Handwerkszeug und machte sich stehend mit den ver-schiedenen Herrlichkeiten vertraut.