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Die M'Inmeiitm'ifche» Gesellschaften MSiuarck's van 1869—1890
in das Billard-Zimmer, dessen Fenster nach der Straße gehen. Nach links istein flüchtiger Blick in Bismarck's Arbeitskabinett gestattet. Das Fell eines vomGrafen selbst erlegten Bären liegt vor dem Sofa des Billard-Zimmers. Aneiner der Wände steht die wundervolle Porzellanvase mit des Königs Bild undSchloß, die König Wilhelm dem Kanzler nach den Kämpfen des Jahres 1866verehrte.
Die Bersammlnng und die Hitze wuchsen mit jeder Minute. Der Graf,sagt mau, ist im großen Saal. Wir eilen dorthin. Hart am Eingang stehtunser Wirt, im lebhaften Gespräche mit seinen Gästen, doch aufmerksam jedenneuen Ankömmling freundlich grüßend; oft reicht er die beiden Hände zugleichnach rechts und links. Er steht so wohl, so munter aus! Das ist immer dererste Gedanke, wenn man den Mann wieder erblickt, dem auch die Demokratiebedeutende Arbeitskraft und Thätigkeit niemals absprechen wird. Sein Gesichthat mit seiner laugen Villeggiatur in Varzin wieder Farbe gewonnen, die Augensind nicht mehr so tief beschattet durch die Wolken der gefurchten Stirn undzugleich auch die außerordentlich laugen Brauen, wie voriges Jahr. Die histo-rischen drei Haare sind freilich längst ins Meer der Zeit gesunken, die Stirn istfast ganz kahl, und namentlich das Hinterhaupt würde keinem mehr die volleLocke zeigen, an der Braun im konstituierenden Reichstag gemahnte, das wandelndeGlück Deutschlands zu fassen.
Aber dafür ist sein Haar von jenem germanischen Aschblond, dem niemanddie Jahre des Trägers ansehen kann. Und seine Haltung ist stramm und festbei seinen vierundfünfzig Jahren trotz des Jüngsten in der Versammlung. Erträgt auch an diesem Abend sein bequemstes Kleid, die Uniform, aber wohlschwerlich ganz vorschriftsmäßig. Moltke lächelt mit den schmalen feinen Lippeirals er des Grafen militärischer Dekolletierung ansichtig wird. Denn der kurzeWaffenrock steht offen, von Degengurt und Degen ist nirgends die Rede, undeine einfache schwarze Tuchweste bekleidet die Brust des Grafen. Auch nur geradedie unentbehrlichsten Orden sind aufgesteckt, darunter kokett einige kleinstaatliche.Sind die Herzen der eingeladenen kleinen Bundesräte einzufangen? Wer Bismarcksich nach den Bildern denkt, die von ihm kursieren, oder selbst wer ihn imReichstag hatte reden hören, wer ihm aus seinen Spaziergängen begegnet ist,kennt ihn nur von der offiziellen Seite, als Staatssorgeu- und Würdenträger.Aber hier, innerhalb seiner vier Wände, inmitten der behaglichen Muße, in einemKreise verühmter und patriotischer Männer, die mehr oder weniger sein Werkberaten, bekämpfen oder fördern halfen, da lernt man den Menschen, den vor-trefflichen Gesellschafter im Grafen kennen. Mir haben oft Besucher der Tribünendes Reichstags oder Zollparlameuts, wenn sie Bismarck sprechen gehört, erklärt,sie seien durch nichts so enttäuscht worden, wie durch die Klangfarbe seinerStimme. Seine Höhe, seine Brauen, seine Stirn, seine Brnstweite, alles seiviel gewaltiger als sie gedacht, aber diese Stimme habe auch bei der trockenstenDarlegung und beim größten Affekt etwas so ungewöhnlich Weiches und in-schmeichelndes. Die Bemerkung ist richtig. Mau hört aus den Worten des