Auszug aus der Kaisergeschichte. 307
seinen Tod. Licinins war nicht blos von leidenschaftlichemGeize eingenommen und unmäßig in den Genüssen der Liebe,sondern er hatte auch einen sehr rauhen, unduldsamen Cha-rakter und war ein Feind der Wissenschaften, die er, na-mentlich die Rechtsgelehrsamkeit, aus grober Unwissenheitein Gift und eine Pest des Staates nannte. Um die Acker-und Landban treibende Klasse machte er sich, weil er ihrdurch Geburt und Erziehung angehörte, sehr verdient; inHandhabung der Kriegszncht beobachtete er die strengenGrundsätze der Alten und hielt die Verschnittenen und Hof-lcutc jeglicher Art, welche er nur die nagenden Würmer undMäuse des Palastes nannte, mit starker Hand nieder.
Nachdem Constantin mit außerordentlichem Kriegöglückedie Herrschaft über das ganze Römerreich überkommen hatte,ließ er seinen Sohn Crispns, wie man glaubt, auf die Ein-flüsterungen seiner Gemahlin Fansta, hinrtchten, bald dar-auf aber diese Fansta selbst in einem fledendheißen Badetödten, da ihm seine Mutter Helena voll »»gemessenenSchmerzcns über den Tod ihres Enkels Vorwürfe über den-selben yiachte. Constantin war über allen Begriff ruhm-süchtig. Den Trajan pflegte er wegen der Inschriften vonihm an vielen Gebäuden nur das Mauerkraut zu nennen.Er ließ eine Brücke über die Donau bauen, die kaiserlichenKleider mit Edelsteinen besetzen und trug beständig einDiadem. Jndeß erwarb sich Constantin in vielen Stückengroße Verdienste. Er steuerte den falschen Anklägern durchdie strengsten Gesetze, war ein Beschützer und Befördereraller nützlichen Künste, namentlich der Wissenschaften, las,schrieb und stndirte selbst und hörte die Gesandtschaften und