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2 (1898)
Entstehung
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sich ja nicht bei jeder Lust und Unlust handelt, sondern der alleFälle der Entstehung von Lust und Unlust unter sich begreift, wasin dem Ausspruche und der Entwicklung des Principes, so weitsie bis jetzt gediehen ist, nicht liegt. Also wird sich freilich diessPrincip als ästhetisches Princip wie die übrigen bisher be-sprochenen gefallen lassen müssen, nur unter den andern mitzu-zählen, indess etwas Gemeinsames, nur noch nicht klar und sicherFestgestelltes in allen das eigentlich Zählende bleibt.

Führen wir die hierüber Th. I, S. Ul. 12 gemachten kurzenBemerkungen noch etwas weiter aus.

Manche suchen überhaupt den Grund der Lust darin, dassAlles, was unsere Kraft vermehrt, unsern Lebensprocess erhöht,oder die Entwickelung unsers Wesens födert, Lust giebt, hiegegen,was die Kraft, den Lebensprocess herabdrückt, die Entwickelungdes Wesens hemmt, Unlust giebt. Aber diese Erklärung ist entwe-der untriftig oder unklar. Bei Annäherung an den Schlaf sinkt dielebendige Kraft des ganzen Körpers, einschliesslich der Processe,mit welchen die Bewusstseinsthätigkeit in functioneller Beziehungsteht*), doch knüpft sich daran keine Unlust; w r as wird also beijener Erklärung unter Kraft verstanden? Der grösste Schmerz regtuns oft am heftigsten auf; inwiefern schliesst man das von einerErhöhung unsrer Lebensthätigkeit aus? Uebertriebene Genüssezehren so gut an unsrer Lebenskraft als starke Leiden. Was ver-steht man ferner unter einer Entwicklung unsers Wesens? Sowohlder Begriff der Entwicklung als der Begriff unsers Wesens bleibthiebei noch zu klären; und w'ie man diess auch versuchen möge,so wird man dadurch zu keiner scharfen oder zirkelfreien Beant-wortung der Frage nach dem letzten Grunde der Lust und Unlustgeführt.

Yon Unbestimmtheit und Unklarheit jedenfalls frei ist die An-sicht, welche Zöllner in seinem Kometenbuche (1. Aufl. 325 ff.)im Zusammenhänge mit allgemeinem Ansichten über die physi-sische Begründung psychischer Thätigkeit aufgestellt hat, wonachVerwandlung von Spannkraft, Potenzialenergie in lebendige Kraftmit Lust, die umgekehrte Verwandlung mit Unlust behaftet ist,indem die Ausdrücke hiebei in exact physikalischem Sinne zuverstehen sind. Insofern jedoch hienach Wachsthum der leben-

*) Vergl. Elem. der Psychophys. II. S. 442.