Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
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ies dem Menschen hässlich auch in der von Gott geschaffenen Naturerscheint, widerspricht der Bezugsetzung des Schönen zum Sinneder göttlichen Schöpfungsthätigkeit, falls man bis auf diese zurück-gehen will, in sofern nicht, als das, was dem kurzsichtigen Men-schen für sich so erscheint, diesen Charakter im Zusammenhängedes Ganzen und nach der Totalität seiner Beziehungen betrachtetverliert. In diesem Zusammenhänge, dieser Totalität aber ist esvon Gott geschaffen, wird es von Gott angeschaut, und ist es inseinem Sinne aufzufassen.

So gut sich das Alles scheint hören zu lassen, und ich habemir selbst Mühe gegeben, es so gut hörbar als möglich darzustellen,lässt sich doch Folgendes dagegen erinnern.

Mann kann die Ursprungsbeziehung des Schönen zur Phantasiemit oder ohne Bückgang bis zur göttlichen Schöpferthäligkeit zu-gestehen, ohne damit die Brauchbarkeit einer darauf gegründetenBegriffsbestimmung des Schönen zuzugestehen, worüber ich aufdas verweise, was Theil I, S. 15. 17, gesagt ist. Insbesondereerscheint es misslich, mit der Erklärung des Schönen bis auf denUrsprung aus Gott zurückzugehen, auf den man freilich mit jederErklärung zurückgehen kann, wie man jede Geschichte mit Adamanfangen kann; aber so wenig sich die menschliche Geschichte klarund sicher vom mythischen Adam aus verfolgen lässt, so wenig dieAesthetik von der, den menschlichen Horizont überhaupt überstei-genden oder doch in Dunkel gehüllten, Idee Gottes. So werdenviele Theologen die Analogie der göttlichen Schöpferthätigkeit mitder menschlichen Phantasie als auf Anthropomorphismus ruhendnicht zugestehen; die Schöpferkraft Gottes sei vielmehr etwas überalles menschliche Sinnen und Denken Erhabene. Gegentheils wer-den weder die Materialisten, noch Hegelianer, noch Schopenhaueri-aner die Schöpfung der Welt und mithin des Naturschönen durcheinen bewussten Geist zulassen, da vielmehr nach allen diesen dieNatur, die Idee, der Wille der Welt erst in Thier und Menschzum Bewusstsein kommt; von einer unbewussten Phantasie inSchöpfung des Naturschönen zu sprechen aber wäre eine Gewalt-samkeit, welche das Wirken blinder Kräfte mit der Phantasie inEins zusammenwerfen liesse; daher von dieser Seite die Neigung,das Naturschöne lieber gleich vom Schönen auszuschliessen. Danndarf man der Definition zu Liebe einen schönen Menschen nichtmehr schön finden.