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fühle, welche durch Gedichte erweckt werden können, sind nurAbklänge derer, welche das Leben selten mit solcher Reinheit undEinstimmigkeit, aber mit unverhältnissmässig grösserer Kraft zuerwecken vermag. Auch gibt es eine Poesie des Lebens wie derWorte. Zwar zwischen unsern Geschäften, zwischen BüchernAkten, Dampfmaschinen, bei unseren conventioneilen Regeln undGesprächen, unserer Schulbildung durch Wortformen, verlernenwir leicht ganz, dass es eine solche giebt, und glauben leicht, wasPoesie ist, sei nur in den Büchern, die von Göthe, Schiller, UhlandHeine herausgegeben sind, zu finden, die doch selbst erst aus derPoesie des Lebens geschöpft haben. Erinnert sich aber nicht derEine oder Andere einer Zeit, wo er selbst unmittelbar aus demLeben schöpfte, was er in der Poesie der Dichter nur wieder ge-schöpft fand.
Es reist jemand durch die Berge; er ist gesund, sein Sinnist offen, die grosse und mannigfache Natur, die Einfachheit,und doch Neuheit der Sitten des Volkes, die wechselnde Reise-gesellschaft, die Alpenwirthschaft, das braune Mädchen, der son-derbare Engländer, das Einschlafen beim Rauschen des Waldes,beim Rieseln der Bergwässer mit dem Gedanken an die Heimath,mit der Erwartung der Scenen des folgenden Tages, am Morgen diefrische Bergluft, die aufsteigende Sonne, der Duft der Kräuter, dieKraft der Glieder, die innere Lust; ist die Gesammtwirkung davonnicht auch Poesie, und wer wird diese Poesie der Wirklichkeit fürdas schönste Gedicht geben wollen.
Und doch verkennen wir auch wieder nicht die Vorzüge desGedichtes. Was ich da anführte, konnte Alles in einer Reise Zu-sammensein und Zusammenwirken, aber ist es denn so leicht derFall und ist es denn so rein der Fall. Kann uns nicht das Gedichtalle abstumpfende Müdigkeit, alle Langeweile, alle Unreinlichkeit,allen Zank mit Gewinnsucht und Gemeinheit, alle Widerlichkeitersparen, die wir bei der wirklichen Reise, und wäre es übrigensdie schönste, mit in den Kauf nehmen müssen. Rein fasst es zu-sammen, was zu einer rein befriedigenden Wirkung auf das Ge-mülh zusammenstimmt, begleitet es mit der Musik des Verses undkann als Reiselied die Reise selbst verschönern helfen. Dazu kön-nen wir es statt der seltenen und kostspieligen Reise in jedemAugenblicke umsonst haben. Und endlich können Gedichte unsere