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für die alten Aegypter trug diese Symbolisirung nicht den Charak-ter einer gleichen Absurdität. Sie wussten noch nicht eben sowie eine weiter fortgeschrittene Kunst vermag, den Ausdruckhöherer Eigenschaften in der Bildung der menschlichen Gestalt undZüge deutlich auszuprägen; wogegen es leichtwar, sie durch Thier-symbolik auszuprägen; und da ihnen die Thierwelt selbst als eineGötterwelt und ein Behältniss jenseitiger Seelenwelt galt, so wardas, was uns vielmehr als eine Erniedrigung durch das Symbolerscheint, für sie eine Erhöhung. Diese Vortheile haben bei ihnenhingereicht, den Nachtheil der Naturwidrigkeit zu überwinden.Absolut genommen steht ihr Geschmack tiefer als der unsere, weiler auf einer minder hohen und entwickelten Culturstufe beruht,und der unsere ein höheres und volleres Genüge gewährt; aber fürihre Culturstufe w r ar er doch vielleicht in seinem Rechte.
Wir können eine analoge Bemerkung bezüglich der oben be-rührten Symbolik der Hindus machen. Der Grieche stellt den Aus-druck einer über die menschliche erhabene Macht und Grösse sym-bolisch durch die Idealgestalten des Menschlichen so approximativals möglich dar, der niedern Kulturstufe der Hindus war dieseMöglichkeit versagt, und so griffen sie beispielsweise dazu, einenGott statt blos mit zwei Armen mit zwanzig Armen zu versehenund mit zwanzig Schwertern dreinschlagen zu lassen; sie wusstendie übermenschliche Kraft eben noch nicht anders darzustellen,und doch war bei ihnen so gut als bei den Griechen ein Bedürfnisdazu vorhanden.
So sehr uns nun dergleichen anwidern mag, haben wir dochAnlass, nachsichtig gegen solcheüngeheuerlichkeiten zu sein, nach-dem wir uns die widernatürlichen Sphinxe, Gentauren und geflü-gelten Engel gefallen lassen. Wie wir derselben gewohnt wordensind, mögen die Hindus jener Darstellungen gewohnt worden sein,nachdem sie ihre Verwendung zu Zwecken des Cultus gefunden.Jedenfalls ist der Unterschied nur relativ. Freilich sind die Hindusso w T eit in solchen Ungeheuerlichkeiten gegangen, dass man sagenmöchte: da hört Alles auf. So kommen bei ihnen Bilder vor, woeine oberste Gottheit auf einen Elephanten reitet, der aus lauterandern Thierkörpern seltsam in einandergeschlungen ist, oder einRajah auf einem Pferde oder Elephanten, das aus den sämmtlichenFrauen seines Harems zusammengesetzt ist. *)
*) Böttiger Ideen z. Arch. d. Mal. S. 10.