Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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77
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Wenn sie nicht gewisse Vortheile hätten, würden sie nicht sohäufig sein; und diesen Vortheilen ist jedenfalls Rechnung zutragen.

Wer will leugnen, dass Napoleon als nackter griechischer He-ros und Friedrich August als römischer Imperator einen monu-mentaleren Charakter, was man so nennt, tragen, als im natur-wahren Costüm dargestellt. Um einen monumentalen Charakterist es aber bei Denkmalen zu thun. Diese Personen hatten eineBedeutung über die alltägliche Wirklichkeit, und sollen durchdie Kunstdarstellung darüber hinaus gehoben erscheinen; das an-tike Gepräge aber macht noch heute in gewisser Weise, indem esalles zu veredeln scheint, den Eindruck davon, um so mehr, wennes durch eine Kunstconvention und davon abhängige Gewöhnung,wie sie früher allgemein war, zur monumentalen Bedeutung ge-stempelt worden ist. Ja trotz dem, dass solche Darstellungendem heutigen Geschmacke nicht mehr entsprechen, Hesse sichnoch genug zu Gunsten derselben im Sinne heutiger Kunstan-sichten sagen. Wenn die Kunst nur aus sich selbst zu verstehensein soll und ihr Recht durch ihre That beweisen kann (S. 42.43 undS. 62), so ist das Recht solcher Darstellungen eben durch die That-sache bewiesen, dass sie sich einmal einen Platz in der Kunst er-obert haben. Auf Darstellung gemeiner Wirklichkeit soll es derKunst überhaupt nicht ankommen, und nach Cornelius hat dieKunst mehr auf Schönheit als Charakteristik zu gehen (S. 65).An einem nackten Napoleon aber lässt sich die Schönheit desmenschlichen Körpers viel besser zeigen als an einem bekleideten,und die Tracht eines römischen Imperators ist kunstmässig schö-ner als eines Königs in Hosen, was mindestens den Formästhetiker,dem es nur auf die Form, nicht Bedeutung der Dinge ankommt,zu Gunsten solcher Darstellungen stimmen kann. Napoleon hatalso das Kleid, diese reine Nebensache für den, durch den Körperunmittelbar durchscheinenden, Geist, auf den sich die Kunst dochzuletzt zu beziehen hat, ausgezogen, und Friedrich August dasrömische Kleid angezogen, um damit in die Kunsthallen anständigeinzutreten. Und wenn es unser Schicklichkeitsgefühl nicht ver-letzt, einen alten Heros nackt zu sehen, warum einen neuen, nach-dem so grosse Kunstvortheile mit seiner nackten Darstellung zuerreichen; gemeine Prüderie aber muss man beim Eintritt in dieKunsthallen selbst ausziehen und dahinten lassen. So, denke ich,