Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
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durch den Zusammenhang, in dem es auftritt, die Preccedentienund die Umgebung nachdrücklicher als Hauptsache geltend, als imBilde, was alle Mittel, die Aufmerksamkeit zu richten, aufsichselbstdarbieten, also auch die Ausführung der Gegenstände mit Rück-sicht darauf abmessen muss, um den Nachtheil, in dem es in die-ser Hinsicht gegen die Natur steht, dadurch zu compensiren.

Wenn es freilich keine Kunst wäre, in der Vollendung derDetailausführung gleichen Schritt mit der Vollendung der Haupt-züge zu halten, und wir jener Vollendung in der Kunst überalleben so gewohnt wären, als in der Natur, so würde sich auch dasInteresse und die Aufmerksamkeit dafür, hiemit die zerstreuendeKraft davon, in entsprechender Weise abslumpfen. Aber nichtnur, dass es unmöglich ist, die Detailausführung der Natur durchKunst vollständig zu erreichen, ist es auch eben so langwierig alsschwierig, ihr nur sehr nahe zu kommen. Desshalb abstrahirt dieKunst im Ganzen und Grossen selbst von der an sich möglichenFeinheit der Ausführung, und jedes Mehr oder Minder fangt hie-nach an, einen anziehenden oder abziehenden Einfluss auf unsereAufmerksamkeit zu üben, der stilmässig in vortheilhaftester Weiseberücksichtigt werden muss.

Sandrart*) erzählt, er sei einmal mit dem kunstreichen vanLaer zu Gerhard Dow gekommen, um ihn kennen zu lernen, undseine Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Der Künstler habe siehöflich empfangen und ihnen bereitwillig seine Arbeiten gezeigt.Als sie aber unter Anderem den grossen Fleiss gelobt hätten, wel-chen er auf einen Besenstiel gewandt, der um Weniges grösser alsein Fingernagel war, habe er erwiedert, dass er wohl noch an diedrei Tage daran zu arbeiten habe.

Diess Geschichtchen ist in doppelter Hinsicht instructiv. Werwird einen natürlichen Besenstiel seine Aufmerksamkeit wegenseiner Ausführung schenken; einem gemalten schenkt man sie,weil man sie gewöhnlich nicht da findet. Und wie lange brauchteDow, um sich in der Ausführung des Besenstiels ganz befriedigt zufinden. Hätte nun Raphael auch zu jeder Kleinigkeit wie einemBesenstiel mehr als drei Tage gebraucht, wie viel Gemälde würdenwir von ihm haben? Die Kunst aber hat sich so zu sagen gesagt:um desVortheils willen, viele in der Hauptsache vollendete Werke

*) Teutsche Ak. 321.