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2 (1898)
Entstehung
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Kunst weit hinter die Natur zurückgestellt. So viel die Natur hin-ter der Idee, bleibe die Kunst hinter der Natur zurück; denn sowenig ein Naturgegenstand seine Idee, sein Musterbild, vollstän-dig erreiche, so wenig der Künstler die Natur. Auch weist erdesshalb (im Phädros) dem Dichter und dem nachbildenden Künst-ler eine sehr niedre, erst die sechste, Rangstufe unter den him-melentstammten Seelen an, welche Stufen nach Massgabe der Er-kenntnis des wahrhaft Seienden geordnet sind.

Inzwischen, so sehr die heutigen Idealisten im Uebrigen nochvon Platos Ideenlehre beeinflusst werden, lassen sie doch dieseErniedrigung der Kunst gegen die Natur auf Grund ihrer Abwei-chungen davon nicht gelten; vielmehr, anstatt der Kunst solche zumNachtheil zu rechnen, suchen sie einen Hauptvorzug der Kunstvor der Natur darin; gebieten dem Künstler, er solle die Natur garnicht so treu als möglich wiedergeben, sich vielmehr mit einer,nur durch höhere Rücksichten gebundenen, Freiheit über sie erhe-ben, wahrnehmen lassen, dass es ein Kunstwerk, ein Geisteswerk,kein Naturwerk sei, was man vor sich hat. Die Durchdringungder idealen schöpferischen Thätigkeit des Künstlers mit dem vonder Natur gebotenen realen Stoffe, die Beherrschung, Ueberwäl-tigung desselben durch den Geist, bedinge erst den Adel, denWerth, ja den Begriff des wahren Kunstwerkes, und selbst noth-wendige Abweichungen der Kunst von der Natur sollen hienachweiter getrieben werden, als sie nothwendig sind, z. B. Statuensollen nicht gemalt werden, obwohl sie gemalt werden könnten,der Schein eines täuschenden Relief in der Malerei absichtlich ver-mieden werden, die naturwahre Detailausführung beschränkt wer-den, bedeutungslose Nebentheile weggelassen werden, die Gegen-stände theils enger zusammengerückt theils weiter auseinandergehalten werden, als in der Natur oder äussern Wirklichkeit. Washabe der Mensch davon, die gemeine Wirklichkeit durch die Kunstnoch einmal wiedergegeben zu sehen; vielmehr gelle es, von denDingen der Wirklichkeit zum Ideal derselben aufzusteigen unddamit das reine Wesen derselben auszuprägen, was die Naturausser der Kunst darzustellen immer verweigere. In diesem Ueber-steigen der Natur durch die geistige Thätigkeit des Künstlers imSinne vom höheren, allgemeineren, werthvolleren Ideen, nicht inder Wiedergabe der Naturdinge, wie sie die Welt der Zufälligkeitenuns vor Augen stellt, hiemit vielmehr in dem, was der Geist des