Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
15
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leicht beim ersten Blick im Sinne richtiger Schätzung zusammen;und so gilt es, den ersten Blick durch weitere Blicke zu ergänzen,zu vertiefen, zu berichtigen; wonach das Resultat des letztenBlickes allerdings von dem des ersten abw'eichen kann. Wenndiess aber im Ganzen selten ist, so hängt es daran, dass das, w'asunsern Blick zuerst auf sich zieht, im Allgemeinen auch das ist,was uns am meisten interessirt, den Werth oder Unwerth einesKunstwerkes für uns hauptsächlich bestimmt; und das bleibt sichbeim ersten und letzten Blicke noch gleich.

Welche Theile, Elemente, Momente, Seiten des Kunstwerkesselbst, welche Factoren, Stufen, Seiten des Eindruckes, welche Ge-setze der Wohlgefälligkeit man nun auch bei der ästhetischen Ana-lyse unterscheiden und dazu zuziehen mag, so sind als allge-meinste Foderungen der Kritik an das Kunstwerk zu stellen: dassder Eindruck alles Einzelnen sich überhaupt in einem einheitlichenTotaleindrucke abschliesse und dieser vielmehr im Sinne der Lustals Unlust sei, dass die blos sinnliche Lust an Höhe überstiegen unddas sittliche Princip nicht verletzt w'erde, kurz dass die Bedingun-gen der Schönheit im engem Sinne dadurch erfüllt werden. Kunst-werke haben die ausdrückliche Bestimmung, diese Bedingungen,die sich in der Natur höchstens zufällig vereinigt finden, in vor-theilhaftester Vereinigung zu verwirklichen, wmnach Manche sogarnur Kunstschönheit als wirkliche Schönheit wollen gelten lassen.

Die an das Kunstwerk gestellte Foderung eines einheitlichenTotaleindruckes coordinirt sich der Foderung, dass es einen mög-lichst starken und hohen Lusteindruck zu machen habe, nicht so-wohl, als sie vielmehr selbst in diese Foderung hineintritt. Dennbei Wegfall derselben geht nicht nur die Wohlgefälligkeit, die w T irder einheitlichen Verknüpfung des Mannichfalligen an sich zuzu-schreiben haben, und die Höhe des Eindruckes, w 7 elche das Kunst-werk dadurch gewdnnt, verloren, sondern es kann auch nicht leichtfehlen, dass die Unlust des Widerspruches eintritt, da das, wassich in einem Kunstwerke nicht zu einem einheitlichen Eindrückefügt, oder darin abschliessend versöhnt, doch nicht leicht gleich-gültig neben einander bestehen kann. Dazu kommt, dass, nach-dem wir die Foderung der einheitlichen Verknüpfung an das Kunt-werk einmal ausdrücklich stellen, die wir nicht eben so an dieDinge, die uns täglich umgeben, stellen, auch das getäuschte Ver-langen in dieser Hinsicht selbst zur Unlust beiträgt.