3
So wenig als die angenehmen und schönen Künste von dennützlichen sind beide erstre von einander durch eine scharfeGränze zu scheiden. Denn erstens giebt es keinen andern als blosrelativen oder willkürlich abgestecktenllöhenunterschied zwischenangenehm und schön, wonach man z. B. in Zweifel sein kann, obman die Kunst schöner Gefässe und Tanzkunst hoch genug haltensoll, um sie unter die im engern Sinne schönen oder blos unterdie angenehmen Künste aufzunehmen; zweitens geht das demniedern Sinne wohlgefällige Angenehme vielfach in das dem hohemSinne wohlgefällige Schöne als wirksames Element mit ein undkann somit auch eine angenehme Kunst in den Dienst einer schö-nen treten. Hier wie überall, wo keine scharfe Abgrenzung in derSache statt findet, ist die Mühe, die man sich mit einer scharfenAbgränzung der Begriffe gegen einander geben mag, fruchtlos.
Man pflegt Kunst und Natur einander gegenüberzustellen.Nun wird auch der Begriff der Natur verschieden gefasst, und blosnach einer dieser Fassungsweisen tritt die Natur in jenen Gegen-satz ein. Einmal versteht man unter Natur die wesentliche Be-schaffenheit irgend eines Dinges, wonach man von der Natur einesKunstwerkes ebensowohl als von der eines Naturkörpe-rs sprechenkann; zweitens die materielle äussere Erscheinungswelt gegenüberder innern geistigen, wonach der Marmor einer Statue eben so gutals der eines Gebirges zur Natur gehört. Im Gegensatz gegenKunst aber versteht man unter Natur eben nur, was abgesehenvon Kunst im äusseren Erfahrungsgebiete entsteht und besteht;und natürlich, je nachdem man Kunst weiter oder enger fasst,verengert oder erweitert sich der Begriff der gegenüberstehendenNatur. Den schönen Künsten, insbesondere den bildenden gegen-über, nennt man auch wohl das, was ausserhalb derselben imäusseren Erfahrungsgebiete besteht, gemeine Wirklichkeitoder Wirklichkeit schlechthin.
Aus anderm Gesichtspuncte als der Natur setzt man dieKunst der Wissenschaft und Religion gegenüber, indemman die Pflege des Schönen oder Einbildung desselben in das Le-ben der Kunst, die des Wahren der Wissenschaft, die des Gutender Religion und mit ihr verwachsenen Moral anheim giebt. Nachdem Zusammenhänge dieser drei höchsten Ideen aber, wovon Ge-legenheit war im 2. Abschnitte zu sprechen, hat man auch einendavon abhängigen Zusammenhang von Kunst, Wissenschaft und
t*