Druckschrift 
Erzählungen aus altdeutschen Handschriften
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

145

Er sprach: liebe frauwe mein,

Nu laßt euwer trauren sein!

Ich wil euch den zorn ergeben,

Alz lange alz ich sol leben.

5 Dye frauwe sprach: uff mein ayt,

Ynser dochter ein kynt traytBey Sociahilis dem degen.

Er sprach: wann ist sie bei ym gelegenDye vnseligew haut?

io Wie wenig ich sein hett getravt!

Habe sie wol gefarn, daz hab ir!

Sye mueß treüwen von mir.

Wir stillen daz kynt zue Ammen gebenVnd vnser dochter laßen leben,

15 Also sprach ir muetter.

Da sprach der vater gueter:

Ich laß sie leben wol vnd we.

Sye mueß über den bodemsee.

Dye frauwe kunt jn erbieten nye,

20 Daz er die dochter bei ym lie.

Sye sprach: ez wirt wol geswiegen.

Hs. 2, 56b Er sprach: sie ist erbteils verzyegen.

Dar nach er nit lenger pait,

Eyn guet scliieff wart bereit,

25 Dar eyn er sein dochter stieß,

Ynd zwen marner er hießSye frieren über den praiten see.

Seht, da liueb sich iamer vnd weeVnd vil großew klage30 An dem selben tage

Von frauwen vnd von mayden,

Da die jungfrauwe solt von jn scheyden.Da die dochter jn daz schieff kwam,

Ir kyndelin sie mit jr nam.

35 Sye wcynt sere, daz ist war.

Die muetter viel jn ir bare.

Da waz iamer vnd not.

Der graeff den marnern gebot,

ERZÄHLUNGEN. 10