Kretinismus; Schlußbetrachtung.
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dereinst auch bei einigen anderen Formen des Irreseins auffindenlassen. Vielleicht dürfen wir eine derartige Aufklärung namentlichfür die Paralyse erhoffen. Wie wir früher angedeutet haben, istdie Paralyse weit davon entfernt, eine einfache Hirnerkrankung zusein. Vielmehr werden bei ihr die verschiedensten Gewebe unseresKörpers derart in Mitleidenschaft gezogen, daß diese Störungen nichteinfach als Folgezustände der Hirnveränderungen erklärt werdenkönnen. Es müssen auch hier allgemeine und tiefgreifende Umwäl-zungen im Körperhaushalte stattfinden, deren nächste Ursache unsallerdings zurzeit noch völlig unbekannt ist. Dagegen kennen wirdie fernere, äußere Ursache der Paralyse mit hinreichender Be-stimmtheit: die Syphilis. Dennoch ist die Paralyse schwerlich eineeinfache Erscheinungsform der Syphilis, da sie sich klinisch undanatomisch recht gut von den syphilitischen Rindenerkrankungenabgrenzen läßt. Wahrscheinlich ist irgend ein Zwischenglied vor-handen, durch dessen Vermittlung das syphilitische Gift die para-lytische Erkrankung des Gesamtkörpers erzeugt.
Weit dunkler noch ist zurzeit die Entstehungsweise jenerungeheuren Masse von Erkrankungen, bei denen ohne greifbareUrsachen klinisch eine eigenartige Verblödung, anatomisch eineausgebreitete Erkrankung und Zerstörung wichtiger Rindenbestand-teile eintritt. Dahin gehört in erster Linie das übergroße Gebiet der„Dementia praecox“. So deutlich hier in vieler Beziehung dieklinischen Ähnlichkeiten mit der Paralyse sind, so unwahrscheinlichist es doch, daß etwa irgend eine äußere Schädlichkeit die Krank-heit erzeugt. Wir wissen nur, daß die Entwicklungsjahre den gün-stigsten Boden für den Ausbruch der Krankheit abgeben, wie esübrigens auch für das manisch-depressive Irresein der Fall ist.Ferner scheint das Fortpflanzungsgeschäft beim Weibe und endlichwohl auch die Gefangenschaft das Auftreten der Krankheit zu be-günstigen. Gerade das Fehlen äußerer Ursachen und die Bezie-hungen zu bestimmten Umwälzungen im Körperhaushalte dürfteetwa darauf hinweisen, daß wir es auch hier mit Erkrankungen zutun haben, deren letzte Ursache in Stoffwechselstörungen zu suchenist. Ähnliches könnte für manche Formen der Idiotie und ferner ingewissem Sinne für die arteriosklerotischen Rindenerkrankungengelten, namentlich im Hinblicke auf die gefäßschädigenden Wir-kungen des Nebennierensaftes.