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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXXI. Vorlesung.

sinnlichen Erfahrungen nicht hinausgeht und völlig versagt, sobaldallgemeinere Vorstellungen undKenntnisse in Betracht kommen. DieKranke kann unvergleichlich viel mehr, als sie weiß, und wennnicht die wachsende Zahl ihrer unehelichen Kinder den Anlaß zuihrer Verbringung in die Anstalt gegeben hätte, würde sie ohne all-zu große Schwierigkeiten irgendwo draußen ein Plätzchen für sichgefunden haben. Diese Fähigkeit zur praktischen Lebensführungbei überraschendem Tiefstände der höheren geistigen Leistungenist das Kennzeichen des angeborenen Schwachsinns, den wir imGegensätze zur erworbenen Demenz mit ihrem umgekehrten Ver-halten alsImbecillität bezeichnen. Natürlich aber vermögen auchdie Imbecillen irgendwie schwierigeren Lebensanforderungen nichtzu genügen. Wie in unserem Falle das Geschlechtsleben, so wirdin anderen der Alkohol, die Verführung, der Hang zum Müßiggangzur Klippe, an der sie infolge ihrer unzulänglichen Ausrüstung fürden Kampf ums Dasein scheitern*).

Da die Imbecillität auf einer angeborenen oder doch sehr früherworbenen Schädigung der Hirnrinde beruht, ist das Leiden irgendeiner Beeinflussung durch das ärztliche Handeln nicht zugänglich.Dagegen vermag eine sorgfältig die Eigenart dieser Kranken be-rücksichtigende Erziehung immerhin die vorhandenen Fähigkeitennoch zu einer gewissen Entfaltung zu bringen. In den gewöhnlichenSchulen pflegen die schwachsinnigen Kinder nicht nur selbst keineFortschritte zu machen, sondern sie hemmen auch ihre Mitschüler.Mit Recht hat man daher schon in vielen Städten angefangen, diekrankhaft unbegabten Kinder auszusondern und in Hilfsklassen zuunterrichten, deren Lehrverfahren und Plan ihrem Lernvermögenangepaßt ist.

Bei den schwereren Formen des angeborenen Schwachsinnsgenügen freilich diese Hilfsklassen auch nicht mehr, sondern dieErziehung derartiger Kinder muß in eigene Anstalten mit be-sonders für diese Aufgabe ausgebildeten Lehrern verlegt werden.Sie sehen hier einen 24 jährigen Menschen vor sich, der seitseinem 7. Lebensjahre in einer Idiotenanstalt lebte, da er schonals kleines Kind hochgradige geistige Unfähigkeit erkennen ließ;

*) Die Kranke befindet sich seit vielen Jahren unverändert in einerPflegeanstalt.