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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Imbecillität, Idiotie.

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Bild, das sich der Laie von dem Verhalten der Geisteskrankenmacht, mit den wirklichen Erfahrungen deckt. Zahlreiche hier vonIhnen untersuchte Kranke boten auf den ersten Blick kaum irgendetwas Auffallendes, gaben verständige Auskunft, benahmen sich ge-ordnet; nicht wenige hatten ein deutliches Gefühl des Krankseins,einzelne sogar ein klares Verständnis für die besondere Art ihresLeidens. Dennoch aber haben sich bei genauerer Betrachtungmeist Störungen erkennen lassen, die ohne weiteres den Stempeldes Krankhaften trugen und zweifellos aus dem Rahmen des gesun-den Verhaltens herausfielen. Anders steht es mit denjenigen For-men des Irreseins, bei denen wir nur gradweise Abweichungenvon jenen mehr oder weniger willkürlich bestimmten Grenzlinienvorfinden, welche die geistige Gesundheitsbreite umschließen. Frei-lich wird an den äußersten Enden der Stufenleiter, die vom ausge-sprochen Krankhaften unmerklich in den Bereich des Alltäglichenführt, die Entscheidung leicht sein. Dagegen muß es hier notwendigzahlreiche Zwischenglieder geben, die mit schwimmenden Grenzeneinerseits dem Krankhaften, andererseits dem Gesunden sich an-nähern.

Wenn wir uns mit dem 36jährigen Mädchen unterhalten, dasjetzt mit freundlichem, ein wenig befangenem Gruße vor IhnenPlatz nimmt, so erkennen wir sehr bald, daß sie zu den Armen imGeiste gehört. Sie weiß zwar, wo sie sich befindet, kennt auch dieÄrzte wie die sonstigen Personen ihrer Umgebung gut und vermagsie leidlich zu schildern, aber schon bei der Frage nach der Jahres-zahl rät sie ganz hilflos herum, während sie Monat und Tag wenig-stens annähernd angibt. Auch über ihr Alter ist sie um einige Jahreim unsichern. Dagegen erzählt sie verständlich, wenn auch weit-schweifig und dabei sehr dürftig, von ihren bisherigen Lebensschick-salen. Ihre Eltern sind tot; der Vater trank gern, war aber seltenbetrunken, lebte mit der Mutter in Unfrieden. Drei Brüder sind ge-storben; drei andere leben und sind gesund. Die Kranke selbst kamin der Schule schlecht mit, wie sie meint, infolge eines Augenleidens.Nach dem Tode der Eltern, dessen Zeitpunkt sie nur sehr ungefährangeben kann, kam sie zu einem Pflegevater, versuchte auch einmal,in Dienst zu gehen, aber nur 2 Monate lang. Dann wurde sie ineinem Siechenhause untergebracht. Der Grund war die unliebsameErscheinung, daß sie fast alle Jahre ein Kind gebar, bisher seit