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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXX. Vorlesung.

Aufsicht mir selbst überlassen, und dieses bildete den Grundmeines späteren Unglücks. Meine Unarten konnten sich zu Eigen-schaften ausbilden, ohne daß es bemerkt wurde.Meine Mutterbesaß eine Gutmütigkeit, in welcher sie glaubte, mir nichts versagenzu dürfen. Sie habe ihm das Geld, das er sich gelegentlich ver-diente, zur freien Verwendung überlassen und ihm, selbst unterOpfern, nach Möglichkeit alles verschafft, was andere Kinder inbesseren Verhältnissen hatten.Dies erwähne ich nur, damit beiBeurteilung meines Lebensganges niemand in dem Vorurteil be-fangen ist, daß meine Eltern einen bösen Einfluß auf mich ausge-übt haben. In der Schule habe er gut gelernt, doch habe es vonihm geheißen:könnte bei mehr Fleiß und Aufmerksamkeit sowiebei regelmäßigerem Schulbesuche einer der besten Schüler sein.Früh sei er vergnügungssüchtig gewesen und habe sich die fehlen-den Mittel auf unrechtmäßige Weise verschafft, wobei sich die ihmvertrauenden Pflegeeltern leicht hätten täuschen lassen.Dieseswar der Anfang des Weges, der mich auf eine abschüssige Bahnbrachte. Darauf folgten eine Reihe von Vergehen.Bei Beur-teilung derselben nach den Akten sind, wie ich aus Erfahrungkenne, viele geneigt, sich nach denselben ein Phantasiebild vonmir zu machen in dem Sinne, daß in meinen Handlungen einnatürlicher Hang und Interesse zum Verbrechen vorherrscht. Diesist jedoch nicht der Fall, sondern durch die Lage der Verhältnissekonnten sich die besseren Fähigkeiten und Eigenschaften nichtentwickeln; hingegen reizten mich die Verhältnisse, die bösenEigenschaften zu entfalten. Die Grundlage meiner bösen Eigen-schaften bildete die Genußsucht. Unmittelbar nach der erstenEinlieferung ins Gefängnis, eingesperrt in eine Zelle, angeekelt vonder Kost, habe er einen ängstlichen Aufregungszustand durch-gemacht, über dessen Verlauf er ganz die Besinnung verloren habe,bis er sich mit Kopfschmerzen auf dem Bette liegend wiederfand,Arzt, Direktor und Aufseher um ihn bemüht.

Über seine weiteren Schicksale erfahren wir, daß er sehr viel-fach wegen Diebstahls und ebenso wegen Betteins bestraft ist unddreimal in Arbeitshäusern war. Seine Straftaten gesteht er ohneZurückhaltung, aber auch ohne irgendwelche innere Bewegung zu,sucht sie als die natürlichen Folgen seiner Anlagen und seinerErziehung, namentlich aber des Strafvollzugs zu erklären, der es