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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Krankhafte Verbrecher und Landstreicher.

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lief davon. Beim Durchsuchen ihres Koffers fanden sich einige an-scheinend gestohlene Gegenstände. Als sie bei ihrer Rückkehr vonder drohenden Anzeige erfuhr, legte sie in der folgenden NachtFeuer an das Wohnhaus und entfloh, gab aber bei ihrerVerhaftungsofort ihre Täterschaft zu. Nach ihrer Angabe habe sie zunächst imSinne gehabt, sich umzubringen, und große Unruhe verspürt; dannhabe ihr Bruder ihr geraten,es zu tun. Sie habe weit mehr Brand-stiftungen verübt, als ihr zur Last gelegt würden, wohl an zwanzig,die erste als Kind von 56 Jahren. Es sei ihr immer eine großeFreude gewesen, mit Feuer zu spielen.Heute noch kommt mirimmer gleich die Idee, wenn nur dies oder jenes abbrennen würde;es ist wie eine fixe Idee;besonders, wenn ich Streichhölzer in derTasche habe, dann denke ich, es treibt mich dazu, wie eine unsicht-bare Gewalt. Der Gedanke komme über sie wie ein Blitz, ganzplötzlich;wenn ich überlegen täte, würde ich so etwas nicht tun.Einige Male habe sie vorher etwas getrunken, andere Male im Ärgergehandelt.

Die Kenntnisse, die sich die Kranke trotz sehr mangelhafterSchulbildung nachträglich im Zuchthause angeeignet hat, gehen überdas Durchschnittsmaß ihres Standes hinaus; sie weiß auch sehr an-schaulich zu erzählen. Ihre Stimmung ist im allgemeinen gleich-mütig freundlich, doch wurden auch vielfache Schwankungen be-obachtet. Bisweilen war sie reizbar und heftig, wurde deswegen imZuchthause öfters bestraft; zu anderen Zeiten war sie lustig, über-mütig oder weinerlich, verzweifelt, mit etwas theatralischem An-strich. Sie drohte mehrfach mit Selbstmord und machte, wie öftersin der Gefangenschaft, auch bei uns einmal den Versuch, sich zuerhängen. Einigemale erzählte sie von traumhaften Sinnestäuschun-gen; zwei Teufel hätten sie nachts gezupft; vor dem Fenster hättenMenschen gestanden und ihr zugerufen, sie habe 7 Kinder umge-bracht und ein paar Häuser angezündet. Über ihre Zukunft machtsie sich nicht viel Gedanken. Für geisteskrank hält sie sich nicht;ebensowenig empfindet sie eigentliche Reue über ihre Straftaten.Ich bin heute noch nicht klar darüber, meint sie;ich denke immer,ich habs nicht getan; ich kann keinem Tier etwas zuleide tun.

Die körperliche Untersuchung der mäßig genährten Frau ergibtals wesentlichsten Befund Lichtstarre beider Pupillen und Steige-rung der Kniesehnenreflexe, ferner einige weißliche Narben an der